Chronik | Wien 11.09.2013

Fluglärm: Ärger über Bures-Absage

Liesinger Anrainer luden zu einem Diskussionabend. Verkehrsminisierin fühlt sich unzuständig und kam nicht

Warum müssen Flugrouten ausgerechnet über das am dichtesten besiedelte Gebiet Österreichs führen, obwohl Ausweichrouten technisch durchaus möglich wären?

Das ist nur eine der vielen Frage, die die Vertreter der „Bürgerinitiative Liesing gegen Fluglärm“ Mittwochabend gerne Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) gestellt hätten. Gemeinsam mit Vertretern aller anderen Parlamentsparteien luden die lärmgeplagten Anrainer die Ministerin zu einer Podiumsdiskussion im Liesinger Haus der Begegnung. Schließlich steht die Nationalratswahl vor der Tür.

Bures freilich war an einer Begegnung mit ihren Kritikern weniger interessiert und ließ sich lieber von SPÖ-Verkehrssprecher Anton Heinzel vertreten.

„Wir haben schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass in dieser Angelegenheit die Austro Control zuständig ist“, begründet man im Büro der Ministerin die Absage. Deshalb habe man einen Vertreter der Luftfahrtbehörde als Teilnehmer am Podium vorgeschlagen. „Das hat die Bürgerinitiative abgelehnt.“

Zudem habe es zuletzt auch einen Termin der Bürgerinitiative bei der Ministerin gegeben. Und es gebe ein Dialogverfahren, in dem das Thema Flugrouten geklärt werde.

Empörung

Bei der Bürgerinitiative ist man über die Absage der Ministerin dennoch erbost: „Das ist schon eine interessante Entscheidung“, ätzt Karl Schiebel. „Schließlich ist Bures SPÖ-Spitzenkandidatin in Liesing.“
Kompetenzstreit Und warum wollte man keinen Vertreter der Austro Control am Podium haben? „Wir haben das abgelehnt, weil die Austro Control nichts weiter ist als eine ausgelagerte Behörde des Ministeriums. Deshalb fällt das Thema auch formal in seine Kompetenz“, sagt Schiebel. Denn in der Praxis würde die Austro Control die Flugrouten nur vorschlagen. Genehmigen würde sie das Ministerium.

Liesing zählt zu den am stärksten von Fluglärm betroffenen Wiener Bezirken. Die geforderten Ausweichrouten seien bisher mit Verweis auf die höheren Kosten und -Emissionen abgewiesen worden, kritisiert man bei der Bürgerinitiative. Gemessen am Gewinn an Lebensqualität seien diese aber zu vernachlässigen, lautet ihr Argument.

Durch den geplanten Bau der dritten Piste am Schwechater Flughafen befürchten sie eine weitere Verschlechterung ihrer Lage.

Neue Plattform

Um künftig an einem Strang zu ziehen, wollen sich jetzt Anti-Fluglärm-Bügerinitiativen in ganz Österreich zu einer gemeinsamen Plattform zusammenschließen. Mitte Oktober ist dazu eine Konferenz in Salzburg geplant.

( Kurier ) Erstellt am 11.09.2013