Chronik | Wien 27.03.2012

Flug-Sicherheit bis zum Nachwinken

„Privatsheriffs" von Airlines sind schärfer als die Flughafen­polizei. Weil sie einen Reisepass bemängelten, platzte ein Urlaub am Gate.

Wer nach Schlangestehen am Check-in-Schalter und absolvierter Passkontrolle der Flughafenpolizei meint, er sei schon so gut wie in der Feriensonne, liegt falsch. Denn am Gate lauert bei Flugdestinationen in Staaten außerhalb des Schengen-Raumes grenzenloser europäischer Reisefreiheit eine allmächtige Hürde: Sicherheitspersonal privater Bodenabfertiger, die im Auftrag vieler Airlines Reisedokumente auf Einreise-Tauglichkeit im Zielland checken.

Schärfer als diese „Sheriffs" kontrollieren, geht`s nicht mehr. Kleine Mängel beim Reisepass oder Visum genügen und schon kann man dem Flieger nur noch nachwinken. Eine Wiener Familie, deren Ägypten-Urlaub vorzeitig am Flugsteig D 61 in Schwechat endete, ist dabei absolut kein Einzelfall.

„Wir haben uns schon so gefreut auf ein Paar Tage Sandstrand und Sonne", berichtet Unternehmer Gernot Schatz. Er hatte für sich, seine zweieinhalbjährige Tochter Juliette und seine Partnerin Delphine Leger (französische Staatsbürgerin) um 1352 Euro ein Restplatzpaket nach Sharm El Sheik mit Flyniki gebucht. „Es gab weder ein Problem beim Einchecken, noch bei der Sicherheits- und Passkontrolle. Erst, als wir beim Boarding waren, ging es los."

Eine Mitarbeiterin der Firma Austroport habe die Pässe kontrolliert und nach einem Blick auf den Pass der Frau erklärt: „Sie muss ihn noch einmal überprüfen und wir sollen an der Seite warten", schildert Schatz. Die Kontrollorin hatte eine leicht abgelöste Schutzfolie am linken, unteren Eck des Passfotos entdeckt. „Daraufhin hat sie die Folie angehoben, die ist prompt weiter eingerissen, und es hat geheißen, sie muss ein Foto des Passes ihrem Vorgesetzten schicken."

Nerven blank

Zu diesem Zeitpunkt lagen die Nerven der Fluggäste blank. Schatz wurde verboten, Handy-Fotos von der Passmani­pulation zu machen, man verweigerte ihm (zwecks Beschwerde) Namen der Mitarbeiter und es hieß, der Pass würde nicht akzeptiert.

Weitere Entwicklung: „Wir sind dann noch einmal zur österreichischen Passkontrolle zurückgegangen, wo die Beamten erklärten, trotz des Pass-Zustandes spreche aus Sicht der Behörde nichts gegen eine Ausreise, und uns beruhigt haben, das Flugzeug werde nicht abheben, so lang die Sache nicht geklärt sei."

Beim zweiten Anlauf am Gate verhärteten sich die Fronten noch. Schatz: „Die Mitarbeiterin hat das Gespräch abgebrochen, mir so nebenbei mitgeteilt, dass ,der Flug eh schon weg ist` und ist gegangen." Fazit: Die Familie begrub ihre Reisepläne.

Der Unternehmer versteht die (Flug-)Welt nicht mehr. „Ich habe tagelang vergeblich versucht, Verantwortliche für diesen Skandal zu erreichen. Wie kann es sein, dass Privatunternehmen hoheitliche Aufgaben wie die Passkontrolle übernehmen und dabei die behördlichen Instanzen regelrecht überholen?"

Von Überholen könne nicht die Rede sein, sagt Polizeikommandant Oberst Leopold Holzbauer. „Wir prüfen die Gültigkeit von Reisedokumenten. Aber uns sind die Hände gebunden beim Punkt, wen die Flug­linie mitreisen lässt." Schatz hat die Causa dem Verein für Konsumentenschutz übergeben. Dort wird die Haftungsfrage überprüft.

"Airline ist für Fluggast-Einreise verantwortlich"  So eine Situation ist natürlich grauenhaft für die Betroffenen und wir leiden selbst am allermeisten darunter", gesteht Fly­niki-Sicherheitschef Nikolaus Hrazdjira-Chorinsky ein. "Wir sind dabei, zu klären, ob man nicht die Argumentation am Gate so fein gestalten kann, dass es nicht zur Aufschaukelung der Emotionen kommt." Aber: "Wir als Air­lines sind bei Flügen in Nicht-Schengen-Staaten dafür verantwortlich, dass der Fluggast dort auch tatsächlich einreisen darf."

Wird der Passagier im Zielland abgewiesen, sei die Air­line verpflichtet, ihn zurückzutransportieren und werde mit Strafgebühren (3500 Euro) belegt. Hradzdjira-Chorinsky: "Das kann so weit gehen, dass die Landerechte in Gefahr sind, wenn etwa 15 zurückgewiesene Fluggäste jährlich anfallen." Besonders streng: Israel , Russland, England, auch Ägypten.

Da sich nur noch wenige Airlines (wie etwa Austrian) eigenes Bodenpersonal leisten, ist die Firma Austroport als größter Bodendienstleister Österreichs im nachgelagerten Kontrollgeschäft. Stationsleiterin Andrea Hirn: "Ich kann es mir nicht leisten, Passagiere mit riskanten Papieren durchzulassen, weil wir dafür an die Airline zahlen müssen. Die Polizei-Passkontrolle ist für mich nicht relevant." Dass Fluggäste weggeschickt werden, "kommt täglich vor."

( Kurier ) Erstellt am 27.03.2012