© Bundesheer

Wien/NÖ/Graz
04/07/2014

Drei Fliegerbomben an einem Tag entdeckt

Explosive Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg hielten Behörden auf Trab. Anrainer berichten über Evakuierung.

von Birgit Seiser

Gleich drei Mal musste der Entminungsdienst des Bundesheeres am Montag ausrücken: In Wien-Floridsdorf, Graz und auch in der Wachau (NÖ) wurde jeweils eine Fliegerbombe entdeckt. Am späten Nachmittag waren alle drei Sprengkörper entschärft. Verletzt wurde niemand, allerdings kam es teilweise zu großräumigen Evakuierungen.

In Wien war es der zweite Entminungseinsatz innerhalb einer Woche: Nach dem Fund einer Sprenggranate am 1. April wurde Montagfrüh in Floridsdorf eine Fliegerbombe bei Bauarbeiten gefunden. Die Folge waren eine großräumige Absperrung rund um den Fundort in der Ruthnergasse sowie Behinderungen im Verkehr. Das 125 Kilogramm schwere Kriegsrelikt wurde mittlerweile vom Entminungsdienst an Ort und Stelle entschärft.

Der Fund wurde kurz vor 8.00 Uhr bei Baggerarbeiten auf einem ÖBB-Gelände nahe Bahngleisen gemacht. Mehrere Wohngebäude und Geschäfte in der Ruthnergasse, wo die US-Bombe auf Höhe der Hausnummer 28 entdeckt wurde, sowie in der Siemens- und Shuttleworthstraße wurden von der Polizei für die Dauer des Einsatzes evakuiert. Zu Behinderungen kam es auch im Straßen-und Bahnverkehr.

"Gefährliches Geschoß"

Im Kleingartenverein Groß Jedlersdorf war die Aufregung in der Früh groß. Einige Bewohner mussten vorübergehend in Sicherheit gebracht werden. Anrainerin Vera Todorowic berichtet dem KURIER: "Um 9 Uhr kam plötzlich die Polizei und sagte, wir müssen sofort alle raus. Wir haben uns natürlich erschrocken." Nachbar Rudolf Hauer schildert: "Ich habe das im Krieg selbst miterlebt, was so eine Bombe anrichten kann. Ein so großes Geschoß ist sehr gefährlich."

Wie der ORF berichtet, konnten die S-Bahn-Linien S1, S3 und S7 kurz nach 8 Uhr zwischen den Stationen Floridsdorf und Leopoldau aus Sicherheitsgründen nicht fahren. Eine Stunde später konnte der Fahrtbetrieb wieder regulär aufgenommen werden.

Weitere Einsätze in Graz und NÖ

Auch in Graz wurde am Montagvormittag eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Erst am späten Nachmittag konnte der Blindgänger entschärft und Entwarnung gegeben werden. Straßen im Umkreis von mehreren Hundert Metern mussten gesperrt und Häuser evakuiert werden. Auch der Betrieb der Straßenbahn in der Annenstraße war unterbrochen.

Kurz vor 10.00 Uhr hatte ein Arbeiter die Bombe entdeckt. Am Fundort befindet sich derzeit die Baustelle für ein Projekt mit 205 Eigentumswohnungen. Die Grabungsarbeiten beim Fundament brachten das vermutlich englische Fabrikat zutage. Es dürfte im Zweiten Weltkrieg über dem Hauptbahnhof abgeworfen worden sein. Nach der Entdeckung sperrte die Polizei das Gelände ab und alarmierte die Nachbarschaft rund um die Niesenbergergasse 41.

Für jene Personen, die vorerst nicht in ihre Wohnungen zurückkehren konnten, wurde eine Versorgungsstelle im Hirtenkloster eingerichtet, hieß es von der Einsatzleitung.

Vor drei Jahren war man auf dem Bahnhofsvorplatz ebenfalls auf eine 250-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Damals war eine Sprengung an Ort und Stelle erforderlich. Sie richtete beträchtlichen Sachschaden an.

Kurz nach Mittag wurde die nächste Fliegerbombe in der Donau in Niederösterreich ausgebaggert. Bei dem Fundstück in Spitz (Bezirk Krems-Land) handelte es sich jedoch um ein kleineres Kaliber als jene in Wien und Graz. Die 100 Kilogramm schwere Bombe war zudem russischen Ursprungs.

Der Straßenverkehr war in Spitz nicht betroffen, allerdings durften Schiffe auf der Donau die Stelle vorübergehend nicht passieren. Der Entminungsdienst konnte die Bombe am späten Nachmittag sicher abtransportieren.

1000 Einsätze pro Jahr

Sie haben Nerven wie Drahtseile: Die Spezialisten des Entminungsdienstes werden dann gerufen, wenn Kriegsmaterial fachgerecht geborgen und vernichtet werden soll. Die Truppe, die seit 2013 dem Verteidigungsministerium untersteht, hatte im Vorjahr viel zu tun.

Knapp 1000 Mal mussten die Mitarbeiter ausrücken. Seen und Flüsse zählten dabei ebenso zu ihren Einsatzräumen wie Wälder, Städte oder alpines Gelände. Auch fast 70 Jahre nach Kriegsende zeigt sich, dass die Arbeit für die Entschärfer nicht weniger wird. Das Gesamtgewicht des seit 1945 bis Ende 2013 geborgenen und vernichteten Kriegsmaterials liegt bei ca. 30.000 Tonnen.

Knapp die Hälfte der Einsätze gab es in Niederösterreich. Bei rund 450 Einsätzen konnten etwa 14 Tonnen Kriegsmaterial beseitigt werden. In der Stadt St. Pölten gab es in diesem Zeitraum 20 Einsätze. "Höhepunkt" war die Auffindung von jeweils einer 100 Kilogramm schweren Fliegerbombe russischer Bauart am 14. Mai und am 19. August. Die Bomben wurden auf einer Großbaustelle in der Nähe des Hauptbahnhofes gefunden und schließlich abtransportiert. Sicherheitshalber musste der Bahnhof evakuiert werden.

Sämtliche Sprengungen verliefen laut Bundesheer ohne Sach- oder Personenschäden. 20 Einsätze wurden unter Wasser absolviert. So bargen die Taucher etwa vier Tonnen Munition allein aus dem Ossiacher See.

Mit den heutigen Aktivitäten verzeichnete der Entminungsdienst im Jahr 2014 bereits 300 Einsätze, etwa 160 davon allein in Niederösterreich.

"Die heutigen drei Einsätze zeigen, wie aktuell und zeitgemäß die Aufgaben des Entminungsdienstes auch im Jahr 2014 sind. Die Mitarbeiter sind täglich im Einsatz in ganz Österreich und sorgen damit für die Sicherheit unserer Bevölkerung", sagte Bundesminister Gerald Klug (SPÖ).

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