Flashmob im Wiener Stadtpark: Mit der Aktion bekundet Young Caritas ihre Solidarität mit den dortigen Obdachlosen, die vergangene Woche vertrieben wurden.

© Young Caritas

Obdachlosigkeit
10/24/2013

Flashmob im Stadtpark: "Armut kann man nicht entsorgen"

Young Caritas organisierte Protestveranstaltung gegen polizeiliche Räumung.

Den Obdachlosen im Wiener Stadtpark schlägt derzeit eine Welle der Solidarität entgegen. Am Donnerstagnachmittag versammelte sich eine kleine Menschenmenge beim Johann-Strauß-Denkmal und brachte ihren Unmut über die kürzliche Räumung zum Ausdrück. "Wir und auch viele junge Menschen finden es empörend, dass man versucht, Armut aus dem Blick zu bekommen", erklärte Alice Uhl von der Young Caritas, die den Flashmob organisiert hatte.

Die rund 60 Teilnehmer brachten Müllsäcke mit, die mit dem Wort "Entsorgen" besprüht waren - eine Anspielung auf die Vertreibung der Obdachlosen aus dem Stadtpark vergangene Woche. Mit diesen legten sich die Demonstranten beim Denkmal auf den Boden. "Armut kann man nicht entsorgen", mahnte Uhl.

Streit um Schlafplätze

Hintergrund der Aktion: Vergangene Woche wurden Obdachlose aus dem Stadtpark vertrieben, die dort seit mehreren Monaten auf Parkbänken ihr provisorisches Nachtquartier aufgeschlagen hatten. Das sorgt seither für rege Debatten. Ein Teil der betroffenen Obdachlosen stammt aus dem EU-Ausland. Bei der Stadt heißt es, dass es genug Schlafstellen gebe, manche Obdachlose wollten diese aber nicht nutzen. Bei der Caritas hatte man kürzlich hingegen einen Mangel an regulären Schlafplätzen geortet.

Kommende Woche soll nun auch ein Runder Tisch zu dem Thema stattfinden, einen genauen Termin gibt es noch nicht. Am Treffen werden u.a. Vertreter des FSW, von Caritas, Rotem Kreuz und Samariterbund sowie der Polizei teilnehmen (siehe Bericht unten).

Obdachlose im Wiener Stadtpark werden zum Politikum

Die Obdachlosen im Stadtpark kommen nicht zur Ruhe. Laut Caritas, die sich auf Aussagen der Obdachlosen bezieht, hätten am Montagnachmittag vier Polizisten den Obdachlosen mit erneuter Räumung gedroht, wenn diese nicht ihren Platz verlassen würden. Die Wohnungslosen haben sich daraufhin neue Plätze im Gebüsch am Parkrand oder am Ring gesucht.

Die Polizei entkräftet den Vorwurf. Die Exekutive sei nach einer über den Notruf erfolgten Beschwerde in den Stadtpark gefahren. Dort hätten sie einen Mann, der zeltete, darauf aufmerksam gemacht, dass dies verboten sei. Dieser habe seine Sachen zusammengepackt. Anzeige gab es keine. Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner versteht die Handlung nicht: „Zwei Jahre lang, war die Situation der Obdachlosen im Stadtpark kein Problem – weshalb kommt es jetzt zur Vertreibung?“

48 Millionen Euro

„In der Stadt braucht niemand im Freien zu übernachten“, sagt Sozialstadträtin Sonja Wehsely dazu. Die Stadt investiere jährlich 48 Millionen Euro in die Obdachlosenunterstützung.

„Die Stadt hat kein Interesse daran, dass Obdachlose zelten“, sagt auch Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien: „Ziel ist es, Menschen wieder in Wohnungen zu bekommen.“ 5000 Wohn- und Schlafplätze gibt es in Wien, darunter 340 Nachtquartiere. Im Winter werden bis zu 400 zusätzliche Schlafplätze geschaffen. Hacker kritisierte aber, dass die Obdachlosen im Stadtpark vertrieben wurden, ohne dass man ihnen Quartiere angeboten habe.

Bei einem runden Tisch wollen Stadt, Polizei und NGOs kommende Woche das Problem besprechen.

Schwertner: „Ich denke, alle Beteiligten sind an einer raschen Lösung im Sinne der Obdachlosen interessiert.“