Chronik | Wien
07.02.2017

Symphoniker: Verdächtiger spricht von Notwehr

Der Streit um eine Zigarette landet vor dem Richter. Und ein Top-Musiker bangt um die Karriere.

Michael Buchmann machte am 21. Jänner in der U4-Station Karlsplatz einen Fahrgast auf das Rauchverbot am Bahnsteig aufmerksam. Deshalb soll ihm der 34-jährige Rumäne den Ringfinger der linken Hand gebrochen haben. Buchmann ist Bratschist und Mitglied der Wiener Symphoniker: "Für einen Berufsmusiker eine denkbar ungünstige Verletzung." Er trägt aktuell einen Stützverband und unterzieht sich einer Reha.

Notwehr angegeben

Der mutmaßliche Täter konnte gestern, Montag – wegen eines Fahndungsfoto in diversen Medien – festgenommen werden. Bei der Einvernahme gab der Verdächtige an, in Notwehr gehandelt zu haben. Er wurde auf freiem Fuß angezeigt. Der KURIER erreichte Buchmann telefonisch, der noch weitere Details erzählt. "Noch bevor der Mann mit einem Fußtritt meinen Mittelhandknochen brach, spuckte er mir auch noch ins Gesicht. Das ist so etwas von entwürdigend."

Der rumänische Staatsbürger, er arbeitet in Wien, schilderte der Polizei jedoch einen ganz anderen Hergang. So soll Buchmann den vorerst Beschuldigten mit der Faust auf dem Bahnsteig ins Gesicht geschlagen haben.

Drei Mal pro Tag nimmt der Berufsmusiker nun Schmerzmittel ein. Denn die Hand wurde im Unfallkrankenhaus Meidling mit sieben Schrauben stabilisiert. Mittlerweile ist der Musiker im Lorenz-Böhler-Krankenhaus in weiterer Behandlung.

Für Buchmann stellt die Argumentation der Notwehr eine reine Schutzbehauptung dar: "Was soll der Mann denn auch sagen. Ich habe Zeugen, die gesehen haben, wie sich die Situation abgespielt hat." Allerdings gibt es zwei weitere Personen, die den Raufhandel direkt erlebten. Sie sollen Bekannte des Rumänen sein. Zusätzlich gibt es laut Polizei auch ein Video von dem Vorfall in der U4-Station. Die Exekutive hat die Aufnahmen aber noch nicht ausgewertet.

Fehlstellung

Buchmann überlegt jetzt eine Klage: "Denn durch den Schlag ist es möglich, dass mein Ringfinger eine Rotationsfehlstellung erleidet. Ob ich damit, sollte die Reha nicht greifen, auf hohem Niveau weiterspielen kann, ist fraglich." Er hat für den schlimmsten Fall auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Die für den Profi-Musiker folgenschwere Verletzung rief bei seinen Kollegen und Fans große Anteilnahme hervor. Auf dem Facebook-Profil des 48-Jährigen waren Genesungswünsche aus aller Welt zu lesen. Sogar ausländische Medien – unter anderem aus England und der Slowakei – berichteten über den Vorfall. In einigen dieser Artikel wurde die Angelegenheit zunächst mit der Flüchtlingen in Verbindung gebracht, was für zusätzliche Brisanz sorgte. Die Zeitungen spekulierten, dass der Verdächtige ein Asylwerber sei, was sich nun als falsch herausstellte.