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Asyl
06/14/2013

Fall Leonesa: Junge Kosovarin erhält Bleiberecht

Bestens integrierte Musterschülerin sollte abgeschoben werden. Nun gibt es ein vorläufiges Happy End.

von Bernhard Ichner

An der Sir-Karl-Popper-Schule im 15. Wiener Gemeindebezirk ist die Freude riesengroß. „Tränen, Gänsehaut, Herzrasen und Sprachlosigkeit“, überkamen Lehrerin Sylvia Floch, als sie erfuhr, dass ihre Schülerin Leonesa Mujaj nun doch in Österreich bleiben darf.

Die 13-jährige Kosovarin und ihre Eltern erhielten von der Stadt Wien die „Rot-Weiß-Rot-Card plus“ – und damit eine befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. 2012 hatte der Asylgerichtshof die Ausweisung der Familie angeordnet.

Der Fall des Mädchens, das 2007 mit ihren Eltern vom Kosovo nach Österreich geflüchtet war, sorgte im vorigen Jahr für Aufsehen. Wie berichtet, war man beim Asylgerichtshof zu der Auffassung gelangt, dass es in Leonesas Fall „keine Hinweise auf substanzielle und nachhaltige Integrationsbestrebungen“ gebe. Persönlichen Kontakt zu der Familie hatte der Richter aber nie. Dass Leonesa Klassenbeste in Deutsch ist, tat nichts zur Sache.

Der Anwalt der Familie, Andreas Lepschi, legte beim Verfassungsgerichtshof Berufung gegen die Entscheidung ein. Doch auch das Höchstgericht bestätigte das Ersturteil. Daraufhin beantragte der Jurist bei der Stadt Wien das humanitäre Bleiberecht für die Familie Mujaj.

Parallel sammelten Freunde, Mitschüler und Lehrer rund um Klassenvorstand Sylvia Floch 500 Unterschriften, um gegen Leonesas Abschiebung zu demonstrieren. Leute aus der Wirtschaft, die anonym bleiben wollen, organisierten zudem eine Wohnung für die Familie.

Nachdem das Innenministerium von der Ausweisung Abstand genommen hatte und fixe Jobzusagen für Leonesas Eltern vorliegen, erhielt die Familie nun von der MA35 die Rot-Weiß-Rot-Card. Die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis ist zwar zeitlich limitiert und muss jährlich verlängert werden. Lepschi spricht aber von einem „großen Erfolg“.

Unter normalen Umständen ist die jährliche Verlängerung kein Problem“, sagt der Jurist. Den Daueraufenthalt kann die Familie aber erst nach fünf Jahren beantragen.

In der Sir-Karl-Popper-Schule fand am Freitagvormittag ein Schulfest statt. Leonesa und ihre Klassenkameraden aus der 2b tanzten auf der Freiluftbühne zu ABBAs „Mamma Mia“. Die Freude stand ihnen ins Gesicht geschrieben.

„Als ich erfahren habe, dass wir in Österreich bleiben dürfen, hab’ ich in der ganzen Wohnung herumgeschrien“, erzählt Leonesa dem KURIER. „Zuerst hab’ ich es gar nicht geglaubt, ich hab’ mir gedacht, jemand erlaubt sich einen Scherz mit uns.“

Die Zeit davor war schwer für das Mädchen, das im Kosovo kaum jemanden kennt und auch kaum albanisch spricht. „Ich hatte überhaupt keinen Appetit mehr – was sehr ungewöhnlich für mich ist und ich hab’ nächtelang nicht geschlafen oder schlecht geträumt. Ich hab’ geträumt, dass ich ganz allein ohne meine Familie im Kosovo bin, zwischen lauter alten Häusern.“

Jetzt freut sich das aufgeweckte Mädchen auf die Ferien – „weil das war ein sehr anstrengendes Schuljahr“.

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