Chronik | Wien
01.05.2013

Meet and Tweed: Radeln mit Stil

Tweed Rider machten Stadt in Sakko und mit Ballonkappe unsicher.

Sie fahren im Tweed-Sakko, mit Ballonmütze und Krawatte auf dem Fahrrad durch die Stadt. Und sie sorgen dabei für erstaunte Gesichter. Genau das wollen sie auch erreichen.

"Wir möchten die Menschen von diesem Schubladendenken wegbringen", sagt David Marold. In einer Welt, in der Kleidung immer mehr zum Statussymbol wird, wollen die Tweed Rider ein Zeichen für Individualismus setzen.

Bilder: Schick am Fahrrad

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Auf den ersten Blick glaubt man, auf ein Familientreffen des niederösterreichischen Landadels gestoßen zu sein. "Damit haben wir überhaupt nichts zu tun", stellt Marold lachend klar. "Wir tragen Tweed, weil es von zeitlosem Chic ist, ewig hält und gut aussieht", fügt Georg Brockmeyer hinzu.

Ironischerweise war Tweed in England auch das Material der Arbeiter. Die robuste Wollfaser war aufgrund ihrer Langlebigkeit bei Fischern oder Jägern sehr beliebt. "Erst später haben die Lords entdeckt, dass der Stoff eigentlich ganz praktisch ist", erzählt Barbara Ottawa.

Wichtig ist, dass Tweed nicht neu ist. Deshalb wurden die Sakkos früher von den Butlern eingetragen. Die Tweed Rider finden ihre Outfits in Opas Kleiderschrank oder auf Flohmärkten. "Pfarrflohmärkte sind ein heißer Tipp", verrät Georg Brockmeyer. "Da findet man so manchen Schatz."

Bilder: Worauf Radler achten müssen

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Fahrräder

FREMD

Der 44-jährige David Marold ist Initiator des Tweed Rides in Österreich. Die Gruppe ist aber viel weniger starre Organisation als ein Freundeskreis, den eine gemeinsame Leidenschaft verbindet: das Radfahren.

"Gerade für die Stadt ist kein Verkehrsmittel so geeignet, wie das Fahrrad", findet Georg Brockmeyer. "Die Leute fragen immer, ob ich nicht schwitze. Aber ganz ehrlich, im Sommer in der U-Bahn schwitze ich drei Mal so viel." Außerdem könne man mit dem Rad immer bis zur Haustür fahren, ergänzt Franz Kainz.

Gemütlich

Beim Tweed Ride geht es um Spaß und Eleganz. Doch dafür ernten sie immer wieder auch Kritik. "Oft wird uns von anderen Radfahrern vorgeworfen, was wir tun, sei unnötig", erzählt Marold. "Weil wir nicht auf Leistung fahren." Darum ginge es ihnen aber gar nicht. "Wir wollen einfach nur gemütlich mit dem Rad durch die Stadt flanieren“, sagt Barbara Ottawa.

Tweed Rider kommen mittlerweile auf eine stattliche Größe von 70 Radlern. Dabei ist vom Verleger bis zum Handwerker alles dabei. "Bei uns ist jeder willkommen", erklärt Marold. "Je mehr Vielfalt, desto besser."

Treffpunkt für die Parade am Sonntag ist der Wiener Heldenplatz. Um 15 Uhr geht es los, quer durch die Stadt. Vor dem Riesenrad gibt es eine „Tea Time“ mit Cupcakes und verschiedenen Teesorten. Die Firma Cycle Kraft stellt den Teilnehmern dafür ein „Teefahrrad“ zur Verfügung. Wer nach dem Radeln noch ausreichend Kraft hat, der kann zum Ausklang am Abend im Café Leopold zu Lindy Hop tanzen.