Chronik | Wien
19.01.2018

Externistenmatura: Ein halbes Jahr lang nur warten

Lange Bearbeitungszeit im Stadtschulrat kann ein Semester kosten.

Wenn es nach Paul Sillaber ginge, wäre er in zehn Monaten mit der Externistenmatura fertig und würde im Herbst die ersten Jus-Vorlesungen besuchen.

Doch der 17-Jährige hat die Rechnung ohne die Behörden gemacht. Denn um Prüfungen ablegen zu dürfen, muss erst sein Antrag auf Zulassung bewilligt werden. Dieser bürokratische Akt ist in manchen Bundesländern eine Sache von wenigen Tagen – in Wien beträgt die Wartezeit mehrere Monate.

Aber von vorne: Der 17-jährige Wiener hat – um einer Wiederholung der siebten Klasse zu entgehen – im Sommer 2017 beschlossen, seine Schullaufbahn mittels Externistenmatura abzuschließen. Beim Informationsabend Anfang September wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass die Anträge auf Zulassung einige Zeit in Anspruch nehmen. Er hat deshalb das Formular in der nächsten Woche eingebracht – das war Mitte September. Damit sollte sich, dachten sich Paul Sillaber und seine Eltern damals, doch die erste Prüfung im Dezember ausgehen. Bis dahin wäre es ja noch drei Monate.

Leben verzögert sich

Tatsächlich hat ihn der Bescheid erst Mitte Jänner erreicht. Der Maturatermin im Oktober geht sich – aufgrund der notwendigen Zwischenprüfungen – nicht mehr aus. Sillabers komplette Lebensplanung verzögert sich mindestens um ein halbes Jahr.

Matthias Roland, Geschäftsführer der Maturaschule Dr. Roland, kennt das Problem: "Die Bearbeitung hat in Wien schon immer länger gedauert, weil der Andrang größer ist. Aber die Zeiten seit dem Herbst sind auch für Wien ungewöhnlich."

Der Grund dafür? "Die Umstellung auf die Zentralmatura", sagt Roland. "Erstens gab es im Dezember die allerletzte Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, sich für die alte Matura anzumelden. Außerdem ist mit der neuen Matura ein neues Anmeldeformular gekommen. Dafür war wiederum ein neues Computerprogramm notwendig, das erst entwickelt werden musste."

14000 Schüler

Im Stadtschulrat bestätigt man die lange Bearbeitungszeit. Probleme mit dem Computersystem habe es aber nie gegeben. Grund sei die Vielzahl an Antragsteller.

Im Schuljahr 2016/17 haben sich 8500 Schülerinnen und Schüler aus der AHS für die Externistenmatura angemeldet. Dazu kamen rund 5520 Schülerinnen und Schüler aus dem BHS-Bereich – Tendenz steigend.

Das beobachtet auch Monika Hodoschek, Direktorin der Vienna Business School am Hamerlingplatz und Vorsitzende einer Externistenkommission. "Die Zahl der Prüflinge, auch bei der Berufsreifeprüfung, steigt stark. Generell sehe ich das positiv. Aber natürlich muss das Personal und der Platz dementsprechend angepasst werden."

Der Ball liege beim Ministerium.

Auch Matthias Roland appelliert an die Regierung, zu handeln. Selbst die "normale" Bearbeitungszeit von acht Wochen , wie es in den vergangenen Jahren der Fall war, sei zu lange. Die Schüler würden ihre Motivation verlieren. Er wünscht sich zusätzliches Personal, das sich ausschließlich um die Abwicklung der Bescheide kümmert.

Im Bundesministerium verweist man darauf, dass die Externistenmatura Angelegenheit der jeweiligen Stadt- bzw. Landesschulräte ist.

Doch der Druck aus Wien macht sich bereits in anderen Bundesländern bemerkbar. Ein Sprecher des Landesschulrats Salzburg gibt an, dass es bereits Schülerinnen und Schüler aus Wien gebe, die für die Externistenmatura nach Salzburg kommen.