Chronik | Wien
06.02.2014

"S-Bahn hat höchste Priorität"

Bevor in Wien die U5 gebaut wird, müssen andere Öffi-Angebote kommen.

Es wird eng. Vor allem zur Rushhour sind viele Öffis bereits überfüllt. Doch Wien wächst – und geht es nach den Grünen, so sollen auch die Pendler aus dem Umland auf die Öffis umsteigen.

Vor allem die U6 ist übervoll. Die immer wieder genannte U5 soll Entlastung bringen, wird allerdings frühestens in 10 Jahren fertig. Die Grünen favorisieren daher den Straßenbahn-Ausbau und die Attraktivierung der S-Bahnen. Ein aktueller Expertenbericht der MA18 Stadtplanung unterstützt nun die grünen Pläne. An dem Papier, das dem KURIER vorliegt, arbeiteten neben Beamten der Stadt auch ranghohe Mitarbeiter der Wiener Linien und der ÖBB sowie externe Experten mit.

Darin heißt es: „Die höchste Priorität für die nächsten Jahre hat die Attraktivierung der S-Bahn.“ Mit dichteren Intervallen, neuen Fahrzeugen und verbesserter Infrastruktur soll die von den ÖBB betriebene S-Bahn zur Entlastung des Wiener Öffi-Netzes beitragen. Im Gegensatz zur U5 wäre das schon in den nächsten Jahren wirksam. Schon 2016 werden die ersten neuen Cityjet-Garnituren von Siemens geliefert, die 40 Sitzplätze mehr als die alten S-Bahnen haben. Die Züge der Stammstrecke (S1,S2,S3) halten bereits am Hauptbahnhof, ab 2015 kommen die S80 und S60 dazu. Auch die Vorortelinie S45 soll in dichteren Intervallen fahren. Gemeinsam mit NÖ sind auch Angebotsverdichtungen ins Umland (S1, S2, S3, S7, S50) zu vereinbaren, heißt es im Papier. Das Marketing habe noch Aufholbedarf: „Die S-Bahn ist gemeinsam mit der U-Bahn als hochrangiges Nahverkehrsmittel zu vermarkten.“

Straßenbahnen

Zweite dringliche Maßnahme sind vier neue Straßenbahnlinien, die bereits bis ins Detail geplant wurden. Eine Wienerbergtangente (Linie 15), die Verlängerung des O zum Nordbahnhof, die Erschließung von Monte Laa durch die 67er-Bim und die Pratertangente (Verlängerung des 18er).

An dritter Stelle kommt die U5: Die favorisierte Variante führt vom Elterleinplatz bis zum Wienerberg. Sie soll die U6 vor allem von Pendlern aus dem Süden entlasten. Denn diese könnten dann am Matzleinsdorfer Platz in Richtung City umsteigen.

Bleibt die Frage der Finanzierung. Der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch sagt: „Der Bau der U5 kostet wohl mehr als 2 Milliarden Euro. Die Attraktivierung der S-Bahn 40 Millionen. Vier neue Straßenbahnlinien zu bauen 260 Millionen Euro und neue Busse 40 Millionen Euro.“ Bevor man investiere, brauche man ein Gesamtkonzept. „Denn Wien bekommt in zehn Jahren mehr als 200.000 Einwohner dazu. Und die werden nicht alle mit dem Rad fahren.“

Demnächst stehen Gespräche zwischen Infrastrukturministerin Doris Bures (SP) und Finanzstadträtin Renate Brauner (SP), zugleich zuständig für die Wiener Linien, an. Aus dem Büro Brauners heißt es, dass die U5 keine Frage von „entweder/oder sei“. Man müsse vielmehr entscheiden, was das Beste für die Entwicklung der Stadt sei. An der U5 werde aber wohl kein Weg vorbei führen. Was davor passiert, ist Gegenstand der Verhandlungen mit dem Bund.