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Chronik Wien
12/05/2011

Es melden sich immer mehr Opfer

Das Echo auf den ersten Bericht über das Skandalheim Wilheminenberg war enorm.

Das Echo auf den ersten KURIER-Bericht über das Skandalheim Wilhelminenberg war enorm. Etliche ehemalige Heimkinder meldeten sich am Sonntag in der Redaktion, um über ihr Schicksal zu sprechen. "Das, was die beiden Damen sagen, ist alles wahr", sagt etwa Frau E. Sie war 14, als sie die Jahre 1968/'69 im Heim am Wilhelminenberg verbringen musste. "Ich kann die Prügel bestätigen, den Psychoterror." Sexuelle Übergriffe seien ihr nicht bekannt gewesen. "Aber ich war ja schon 14." Frau E. bestätigt, dass auch sie vom zweiten Stock aus in der Nacht leuchtende Taschenlampen hinter dem Schloss gesehen hat. "Wir haben dazu Glühwürmchen gesagt und geglaubt, das sind Burschen, die ums Haus schleichen." Jetzt sei ihr bewusst geworden, dass vermutlich damals schon Männer ins Heim kamen. "Unten waren ja die ganz kleinen Mädchen." Und weiter: "Was der KURIER macht, ist wichtig. Endlich sagt einmal wer die Wahrheit. Wenn sonst schon nichts erreicht wird - vielleicht schlafen die Täter jetzt wenigstens schlecht."

Paradies

Herr D. war bereits in den 50er-Jahren im Kinderheim Schloss Wilhelminenberg. "Das war das Paradies", sagt er heute. "Ich glaube die Vorwürfe der zwei Frauen nicht." Eine 70-jährige Wienerin wiederum erinnert sich an die Jahre um 1949 zurück. Sie spricht von Erziehern, die manchmal täglich, manchmal nur mehrmals in der Woche "besoffen zu uns ins Mädchenzimmer gekommen sind und uns vergewaltigt haben". Die brisanten Aussagen dieser Frau werden vom KURIER penibel nachrecherchiert und demnächst veröffentlicht. "Wo kann sich meine Bekannte hinwenden?", fragt Frau R. aus Wien an der KURIER-Hotline (Tel. 01/52100-2663). "Sie war auch am Wilhelminenberg. Was die dort erlebt hat, war
schrecklich. Sie traut sich aber mit niemandem darüber zu sprechen."

Reaktionen kamen auch aus den Parteien. Der Wiener SP-Gemeinderat Heinz Vettermann: "Die Stadt Wien ist um eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse in Wiener städtischen Heimen bemüht. Alle strafrelevanten Erkenntnisse die zu Tage treten, werden umgehend an die Staatsanwaltschaft übermittelt."

FP-Chef Heinz-Christian Strache forderte, dass "sämtliche Akten seit Bestehen des Kinderheims" geöffnet werden müssen. Die Vorfälle am Wilhelminenberg müssten restlos aufgeklärt werden.

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