Nachbar Anton Smerdu hörte den Hilferuf via Trompete.

© KURIER/Michaela Reibenwein

Wien-Liesing
07/05/2016

Erneut Home Invasion in Wien: Räuber sperrten Paar im Keller ein

Neuer Fall in Speising. Pensionisten-Ehepaar in den Keller gesperrt.

von Michaela Reibenwein

Drei Männer standen plötzlich vor dem Pensionisten-Ehepaar in der Schlimekgasse in Wien-Liesing. Sie bedrohten das Paar mit einer Waffe, schrien: "Geld!" und sperrten die Hausbewohner in den Keller.

Erst Stunden später wurden die Pensionisten aus dem Keller befreit. Und auch das nur, weil Hausherr Alfred S. so lange auf einer alten Trompete spielte, bis Nachbarn auf das Geräusch aufmerksam wurden. "Meine Frau hat es gehört, deshalb bin ich nachschauen gegangen", schildert Nachbar Anton Smerdu. Als er in den Garten ging, hörte er die verzweifelten Rufe der Opfer: "Hol die Polizei!" Die drei Räuber hatten in der Zwischenzeit seelenruhig das Haus ausgeräumt.

Ähnliches Vorgehen

Der Vorfall ereignete sich bereits am Abend des 5. Juni, wurde aber erst jetzt bekannt. Er könnte mit einer weiteren Home Invasion in Wien-Döbling zusammenhängen: mit jener in der Himmelstraße. Banker Bernhard Ramsauer und seine Frau wurden am 25. Juni gefesselt und ausgeraubt. "Der Modus operandi ist sehr ähnlich", sagt Robert Klug, Raubermittler des Landeskriminalamts Wien.

Vier Fälle gab es heuer bereits in Wien.Nun konnte einer geklärt werden: Jener am 16. Februar in der Kahlenberger Straße in Döbling. Vier Serben seien für den Coup eigens nach Wien gereist; ein weitschichtiger Verwandter, der in Wien lebt, habe die Rolle des Dolmetsch übernommen. "Vier Räuber haben an der Tür geklingelt. Als die Frau öffnete, wurde sie niedergeschlagen und gefesselt", schildert Klug. Dass ihr Ehemann, AKH-Chirurg Ihor Huk, in Kürze heimkommen würde, hätten die Täter gewusst. "Sie haben auf ihn gewartet, ihn überwältigt, gefesselt und geknebelt."
Den erbeuteten Schmuck machten die mutmaßlichen Täter am nächsten Tag zu Geld. Der Wiener Dolmetsch, ein 27-Jähriger, der noch bei seinen Eltern lebte, soll 2000 Euro Lohn erhalten haben. Doch er hinterließ DNA-Spuren, die die Ermittler schließlich auf die Fährte der Bande brachte. Auch ein mutmaßlicher Mittäter wurde geschnappt: Er saß bereits wegen Einbruchs in Wiener Neustadt. Nach den drei flüchtigen Tätern wird gefahndet.

Keine neue Spur gibt es nach der Home Invasion in der Rathstraße in Wien-Neustift. Wobei die Ermittler bezweifeln, ob der Coup tatsächlich so geplant war. "In diesem Fall wollten die Täter mit einem Fensterbohrer ins Gebäude eindringen. Wir gehen eher davon aus, dass es sich um normale Einbrecher gehandelt hat und dass es ein Zufall war, dass die Bewohner daheim waren", meint Klug.

Nicht nur die Home Invasions nehmen zu. Generell sei die schwere Raubkriminalität in Wohnräumlichkeiten in Wien leicht steigend. "Wir haben 42 Delikte heuer", sagt Oberst Michael Mimra, Leiter des Ermittlungsdienstes im Landeskriminalamt. "Die Aufklärungsrate beträgt 45 Prozent."