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Chronik | Wien
07/26/2014

Erneut anti-israelische Demonstration in Wien

Gegner Israels trafen auf Gegendemonstranten. Friedliches Maccabi-Haifa-Match in Leogang.

Nicht nur für Josef S. wurde am Samstag in Wien demonstriert (mehr dazu hier), auch für und gegen die israelische Politik gingen Menschen auf die Straße. Im Vorfeld waren die Befürchtungen groß, dass es in der Innenstadt zu Zusammenstößen kommen könnte. Die Polizei war schließlich vorgewarnt: Schon am vergangenen Wochenende waren 11.000 Menschen vom Westbahnhof zum Heldenplatz marschiert, um Parolen wie „Kindermörder Israel“ und „Allahu akbar“ zu skandieren.

Am Samstag war die Stimmung ebenfalls aufgeheizt, als muslimische Organisationen zum „Al-Quds-Tag“ (iranischer Feiertag, Anm.) eine Kundgebung veranstalteten. Rund 400 Personen zogen vom Morzinplatz zum Stephansplatz. Dabei wurde unter anderem die Vernichtung Israels gefordert. „Stoppt das Massaker in Gaza“ schrien sich die Teilnehmer die Seele aus dem Leib.

Brenzlig wurde die Situation für die Einsatzkräfte aber nur einmal – als am Lugeck die Anti-Israel-Demonstranten auf eine Gegen-Demo trafen, die unter dem Motto „Bündnis gegen den Al-Quds-Tag in Wien“ durch die Gassen zog. Bis auf verbale Beschimpfungen lief aber auch dieses Zusammentreffen ohne Gewalt ab. Polizisten konnten Auseinandersetzungen verhindern.

Kundgebung

Auch jene, die gegen den „Al-Quds-Tag“ demonstrierten, setzten sich aus mehreren Organisationen zusammen. Unter anderem marschierten Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde und das iran-kritische Bündnis „Stop the bomb“ mit. Auf der Kundgebung sprachen etwa die Holocaustüberlebenden Vilma Neuwirth und Rudi Gelbard sowie Marco Schreuder, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundesrat. „Stop the bomb“-Sprecher Stefan Schaden betonte, dass man gegen die „antisemitische Hetze“ ein Zeichen setzen wollte.

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Ein friedliches Fußballfest in Leogang

Ein friedliches Fußballfest haben rund 300 Fans am Samstagabend beim Testspiel zwischen dem israelischen Verein Maccabi Haifa und dem deutschen Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn in Leogang, im Salzburger Pinzgau, gefeiert. Im Vorfeld der Partie gab es große Aufregung, so wurde die Partie auch als Hochsicherheitsspiel eingestuft. Rund 30 Polizisten waren vor Ort im Einsatz. Haifa gewann 2:1 (1:0).

Der Konflikt im Gazastreifen hatte am vergangenen Mittwoch im salzburgischen Bischofshofen zu schweren Ausschreitungenbeim Freundschaftsspiel zwischen dem französischen Oberhausclub OSC Lille und Maccabi Haifa geführt. Das Spiel wurde in der 85. Minute beendet, nachdem Zuseher mit palästinensischen Flaggen auf das Feld gestürmt waren und israelische Spieler attackierten. Verletzt wurde zwar niemand, doch es gab 20 Anzeigen.

Die Einsatzkräfte, darunter auch Polizisten in Zivil und "szenekundige" Beamte sowie der Verfassungsdienst, patrouillierten vor dem Leoganger Stadion, in der Steinbergarena waren sie während der 90 Spielminuten nicht präsent. Dafür gab es beim Einlass strikte Kontrollen, Männer mussten ihre Hosentaschen, Frauen ihre Handtaschen ausräumen. Anfeindungen von der Tribüne oder Aufregung gab es bei dem live im israelischen Fernsehen übertragenen Spiel keine.

Israelis umjubelt

Im Gegenteil: Die Israelis wurden von den Zusehern, darunter auch viele deutsche Touristen, lautstark angefeuert und ihre Tore bejubelt. "Kein Wunder. Das ist ja für Maccabi ein Heimspiel", erklärte Leogangs Bürgermeister Sepp Griesner. Der israelische Traditionsklub bereitet sich schon das zehnte Jahr im Sommer in Salzburg auf die neue Saison vor. "Da gibt es inzwischen auch viele Freundschaften."

Ursprünglich hätte das Spiel zwischen Haifa und Paderborn in der Tiroler Gemeinde Kirchbichl durchgeführt werden sollen, doch die Gemeinde sagte am Freitag kurzfristig ab. "Aufgrund der Vorkommnisse in Salzburg am Mittwoch gibt es massive Sicherheitsbedenken", begründete Wilfried Ellinger, Vizebürgermeister von Kirchbichl, die Entscheidung. "Wir sind eine 5.000 Seelen-Gemeinde und haben nicht einmal eine eigene Polizeiinspektion im Ort", so Ellinger. Sollte es zu Ausschreitungen kommen, wäre es von der Sicherheitssituation her "einfach nicht zu bewältigen". Dieses Risiko wolle die Gemeinde nicht eingehen.

Ganz anders dachte man in der 3.200-Einwohner-Gemeinde in Salzburg, wo es ebenfalls keine eigene Polizeistation gibt. "Für uns als Veranstaltungsbehörde war dies kein Problem", berichtete Griesner. "Als wir am Samstag in der Früh vom Innenministerium die Genehmigung bekamen, haben wir sofort den Veranstaltungsbescheid ausgestellt. Sicherheitsbedenken gab es keine." Dafür Geschenkkörbe mit Produkten der Leoganger Bauern für die Mannschaften.