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Wien
10/14/2013

Einjähriger Bub wurde offenbar schwer misshandelt

Baby mit zahlreichen Brüche am ganzen Körper ins Krankenhaus eingeliefert. Lebensgefährte der Mutter in U-Haft.

Nach der mutmaßlichen schweren Misshandlung eines Babys in Wien ist gegen den festgenommen Lebensgefährten der Mutter U-Haft verhängt worden. Der Mann wird verdächtigt, dem einjährigen Kind durch Gewalteinwirkung mehrere Knochenbrüche zugefügt zu haben. "Er bestreitet die Vorwürfe", sagte Polizeisprecher Thomas Keiblinger am Dienstag.

Die Mutter des Buben war vergangene Woche zum Kinderarzt gegangen, weil ihr Baby plötzlich nicht mehr krabbelte und sich mehrfach übergeben musste. Der Mediziner schickte die Frau umgehend ins Spital und erstattete Anzeige. Bei den Untersuchungen im SMZ-Ost stellten die Ärzte mehrere Brüche an Armen und Beinen des Kindes fest. "Die Mutter konnte sich das nicht erklären", so Keiblinger.

Lebensgefährte festgenommen

Die Polizisten wollten daraufhin den Lebensgefährten der Frau, der nicht der Vater des Kindes ist, befragen, doch war dieser untergetaucht. Nach eineinhalb Tagen konnte ihn die Polizei ausforschen und festnehmen. Bei seiner Einvernahme bestritt der 23-Jährige zwar die Tat, verstrickte sich aber zunehmend in Widersprüche, weshalb gegen ihn die U-Haft verhängt worden ist. Über Hintergründe des Pärchens wollte die Polizei keine Auskünfte geben.

Dem Kind ging es am Dienstag "den Umständen entsprechend gut", wie Andrea Danmayr, Sprecherin des Krankenanstaltenverbundes (KAV), sagte. Es bestand weiterhin keine Lebensgefahr, wann das Kind aus dem Spital entlassen werden kann, stand aber noch nicht fest. "Es sind noch weitere Untersuchungen durchzuführen", so die Sprecherin.

Immer wieder schwere Misshandlungen

Immer wieder machen in Österreich Fälle von schweren Baby- oder Kindesmisshandlungen Schlagzeilen. Im Folgenden eine Chronologie von ausgewählten Vorfällen der vergangenen Jahre, bei denen auch Mädchen und Buben ums Leben kamen:

1. November 2007 - Der 17 Monate alte Luca wird vom 23-jährigen Freund seiner Mutter (22) schwer misshandelt und missbraucht. Der Bub stirbt im Wiener SMZ-Ost Spital zwei Tag nach seiner Einlieferung an einem Gehirnödem. Alte Verletzungen zeigen, dass der Sohn der Tirolerin aus dem Bezirk Schwaz von dem Niederösterreicher monatelang gepeinigt wurde. Der Mann wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und einer Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt. Ein Jahr unbedingte Freiheitsstrafe lautet das Urteil für die Mutter. Gegen die Behörden werden - auch vom leiblichen Vater - schwere Vorwürfe erhoben. Verletzungen wurden schon im Juli 2007 im Spital bemerkt. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Jugendwohlfahrt Schwaz wird angeklagt, vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassung aber freigesprochen.

8. Jänner 2011 - Der dreijährige Cain stirbt in Bregenz nach Misshandlungen durch Prügel. Verdächtigt wird der Lebensgefährte der Mutter. Der 26-Jährige passt auf die Kinder auf, während die Frau arbeitet. Währenddessen kommt es zur Gewalttat, bei der auch der sechsjährige Bruder des Buben verletzt wird. Der Mann verständigt noch die Rettung und flüchtet dann in die Schweiz, wo er zwei Tage später bei einer Polizeikontrolle festgenommen wird. Der Serbe soll die Kinder und seine Freundin bereits mehrfach geschlagen haben. Kritik an der Jugendwohlfahrt, die die Familie betreut, wird laut.

5. Februar 2011 - Eine 21-Jährige aus dem Bezirk Bregenz verletzt ihren dreimonatigen Sohn am Kopf so schwer, dass er ins Spital muss. Die Frau soll das Baby heftig geschüttelt und dabei gegen einen Türstock gestoßen haben. Die Eltern verständigen selbst den Notruf. Bei der zweieinhalbjährigen Schwester des Buben werden keine Verletzungen festgestellt.

6. April 2011 - Die Großeltern decken auf, dass ihr eineinhalb jähriges Enkelkind in Wien-Brigittenau seit zwei Monaten vom 18-jährigen Freund der gleichaltrigen Mutter mit einer 50 Zentimeter langen Stahlrute misshandelt wird. Die Tochter und die Enkelin weisen bei einem Besuch der Großeltern sichtbare Verletzungen auf und werden ins Spital gebracht. Der Körper des Mädchens ist laut Polizei mit Hämatomen übersät. Der junge Mann bestreitet die Gewalttaten.

13. Juni 2011 - Die dreijährige Angelina wird in Wien von ihrer 28-jährigen Mutter mit einem gebrochenen rechten Oberarm und zahlreichen blauen Flecken am ganzen Körper in ein Unfallkrankenhaus gebracht. Die Ärzte erstatten Anzeige: Die Eltern sollen das Kind über Monate hinweg schwer misshandelt haben.

5. August 2011 - In Salzburg wird ein schwerer Fall von Kindesmisshandlung bekannt: Ein 38-Jähriger soll ein drei Monate altes Baby so massiv geschüttelt haben, dass es ein schweres Schütteltrauma und schwere, prognostisch ungünstige, diffuse Hirnschäden erlitten haben soll. Der Vorfall soll sich bereits im März 2010 zugetragen haben, als der Kellner auf das Baby seiner Arbeitskollegin aufpasste. Im darauffolgenden Prozess wird der Mann rechtskräftig zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt.

22. Dezember 2011 - Ein 33-jähriger Mann soll in Wien ein sechs Monate altes Baby misshandelt haben. Der Vater kam wenige Tage zuvor mit seinem Sohn ins Krankenhaus und gab an, dass ihm der Bub vom Wickeltisch gefallen sei. Nachdem das Kind Krampfanfälle erleidet, wird es genauer untersucht. Die Ärzte stellen Hinweise auf ein Schütteltrauma fest. Das Baby erlitt dadurch eine Gehirnschwellung und eine Gehirnblutung. Der Vater wird auf freiem Fuß angezeigt, den Eltern das Sorgerecht entzogen.

26. September 2012 - Im Südburgenland wird ein schwerer Fall von Kindesmisshandlung bekannt. Ärzte des Landeskrankenhauses (LKH) Graz entdecken bei der Untersuchung eines zwei Monate alten Babys aus dem Bezirk Güssing mehrere Knochenbrüche, Prellungen und Blutergüsse. Die Eltern, eine 22 Jahre alte Frau und ein 25-jähriger Mann, werden festgenommen. Sie bestreiten die Vorwürfe.

17. November 2012 - In Dornbirn (Vorarlberg) ermitteln Polizei und Bezirkshauptmannschaft in einem Fall möglicher Kindesmisshandlung. Die Vorwürfe gegen die 32-jährige Frau wiegen schwer: Sie soll ihrem zweijährigen Sohn seit seiner Geburt mindestens 18 Knochenbrüche an Armen und Beinen zugefügt haben. Der Fall ist derzeit gerichtsanhängig.

3. Oktober 2013 - In Tulln hat eine Anzeige des Landesklinikums einen Fall von mutmaßlicher Kindesmisshandlung auffliegen lassen. Tatverdächtig ist nach Angaben der Landespolizeidirektion der Vater (33) eines drei Wochen alten Mädchens. Er soll den Säugling geschlagen haben. Der Mann wurde in die Justizanstalt St. Pölten eingeliefert.

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