Chronik | Wien
21.05.2017

Eine Tour, die wie im Flug vergeht

500 KURIER-Leser durften bei einer Backstage-Tour das Areal des Wiener Flughafens inspizieren.

"Oh, Papa, schau, ein Flugzeug!" Die vierjährige Anna aus Linz drückt die Nase gegen die Fensterscheibe des Busses und lässt die große Ethiopian Airlines Maschine nicht aus den Augen.

Auch viele Erwachsene um sie herum betrachten die elegante Maschine nahezu ehrfürchtig und zücken ihre Handys. Eine Boeing 787 Dreamliner, eine der komfortabelsten und fortschrittlichsten Maschinen, sieht man schließlich nicht alle Tage.

Rund 500 KURIER-Leser durften nach erfolgreicher Teilnahme am Flughafen-Gewinnspiel gestern, Samstag, an einer rund 45-minütigen Backstage-Tour am Flughafen Wien-Schwechat dabei sein. Mit dem Bus ging es quer über das Gelände von Österreichs größtem Flughafen.

Finger & Frachtzentren

Am Steuer saß Sabine Schrittwieser.

Die Niederösterreicherin arbeitet seit 29 Jahren am Flughafen, hat diverse Positionen ausprobiert und kennt dadurch das zehn Quadratkilometer große Gelände wie ihre eigene Westentasche. "Jetzt kommen wir zum Pier West mit seinen zwölf Fahrgastbrücken", kommt ihre Stimme durch die Lautsprecher. "Aber das Wort ist viel zu lang, deshalb sagen wir alle nur Finger und ... – Oh", unterbricht sie sich selbst, als sie ein abhebendes Flugzeug erblickt, "eine Iran Air, ein Airbus A320, ist das nicht ein schönes Flugzeug?".

Und weiter geht’s an den drei Hangars vorbei, deren Türen so schwer sind, dass sie auf Eisenbahnschienen montiert werden müssen, um sie öffnen zu können. Vorbei an der Feuerwache, die jährlich rund 5000-mal ausrücken muss (oft jedoch zu Kleinigkeiten wie verbrannter Pizza), vorbei an den Privatjets, von denen einer Niki Lauda gehören soll, und dem neuen Frachtzentrum, das im Spätherbst eröffnet werden soll und mit einer der größten Photovoltaikanlagen Österreichs ausgestattet wird.

Immer wieder geht ein beeindrucktes "Oh!" oder "Ah" durch die Reihen, wenn Sabine Schrittwieser eine weitere Hintergrundinformation preisgibt.

Visitair-Center in Bau

Schrittwieser ist eine von vier Busfahrern, die die Besuchergruppen über das Flughafenareal führen. Insgesamt haben vergangenes Jahr 94.000 Gäste diese Tour gebucht oder die Besucherterrasse betreten, von der aus man das Starten und Landen und das generelle Treiben am Vorfeld beobachten kann.

Vorstandsdirektor Günther Ofner hofft, dass es heuer 100.000 werden.

Ab dem Spätsommer wird es nämlich ein weiteres Highlight für Flughafen- und Flugzeugfans geben: Das Visitair-Center, in dem die verschiedenen Stationen des Flughafens vom Cockpit bis zum Tower detailgetreu inspiziert werden können.

Und noch eine weitere Baustelle – neben Visitair-Center und Frachtzentrum – gibt es bald. Der Pier Ost und der Terminal 2 werden modernisiert und um eine zentrale Sicherheitskontrolle für alle Gates und rund 50 Prozent zusätzliche Shopping- bzw. Gastronomieflächen erweitert. Derzeit läuft die Ausschreibung. Der geplante Baubeginn ist 2018. Kostenpunkt: 500 Millionen Euro.

Nicht am Terminal 2, sondern am Terminal 3 endet nun die Visitair-Tour und Sabine Schrittwieser entlässt ihre Gäste in Richtung Besucherterrasse.

Wie es Anna Wögerbauer gefallen hat? "Guut!", sagt das Mädchen und strahlt. Schon in zwei Wochen wird sie übrigens wieder ein Flugzeug aus der Nähe sehen. Und sogar damit abheben. Mit ihren Eltern geht es dann nach Mallorca.