© KURIER/Jeff Mangione

Wien
11/19/2016

Eine Szene hofft auf Fortsetzung

Heute startet in der Messe Wien die Vienna Comic-Con. Doch Comic-Händler plagen Nachwuchssorgen.

Das Mickey-Mouse-Heft mit der Nummer 8 aus dem Jahre 1964? Eine Fix-und-Foxi-Figur aus den 70ern? Bei Franz Virt wird man fündig.

Seit 1984 betreibt der nunmehr 64-Jährige seinen Comic-Laden, zuerst in der Radetzky-, später in der Löwengasse im dritten Bezirk. Dort finden Comic-Fans "alles, was es im deutschsprachigen Raum gibt", sagt Virt. Das gute alte Zeug wie Sigurd, Falk und Nick, genauso, wie das gute neue Zeug wie Deadpool, The Walking Dead oder Saga.

Unmittelbar nach Filmstarts oder vor Großveranstaltungen wie der Vienna Comic Con, die an diesem Wochenende in der Messe Wien stattfindet, erfreut auch die Wiener Comic-Szene wieder regen Zuspruchs. Doch die Comic-Händler plagen Nachwuchssorgen. Zwei der vier bekannten Wiener Comic-Händler suchen dringend Nachfolger.

Vor vier Jahren schon hat Franz Virt seinen Comic-Laden in der Löwengasse im dritten Bezirk seiner Frau Annemarie übergeben, weil er in Pension ging. Aber auch seine Frau könnte nun im Frühjahr den Ruhestand antreten. Einen passenden Nachfolger haben die beiden noch nicht gefunden. "Ich hab’ das Geschäft jetzt seit 32 Jahren. Da hängt ja das Herz dran", sagt Franz Virt. Ob seine Tochter, die er in das Comic-Händler-Business eingewiesen hat, einmal das Geschäft übernimmt, ist unklar. "Obwohl ich zugeben muss, dass das mein Träum wäre", sagt er. "Dieses Geschäft hat so viele Jahre eine ganze Familie ernährt."

Bei Wolfgang Leherbauer, der den Comictreff in der Barnabitengasse im 6. Bezirk betreibt, ist die Situation ähnlich. "Jetzt bin ich seit zehn Jahren in Pension und steh’ noch immer im Geschäft", sagt der 71-Jährige. Auch er hat den Betrieb schon seiner Frau Marta überschrieben. Aber auch sie steht kurz vor der Pensionierung. An der Eingangstür hängt ein großes Schild, in Blockbuchstaben steht darauf: "Nachfolger gesucht!"

Doch die Suche nach einem geeigneten Kandidaten gestaltet sich schwierig. "Das Geschäft ist ein ständiges Auf und Ab", sagt Wolfgang Leherbauer. Wenn neue Filme oder Serien – aktuell etwa Doctor Strange oder The Walking Dead – herauskommen, boomt das Geschäft. Danach flaut es meist wieder etwas ab. Potenzielle Kunden kaufen im Internet.

Bei Franz Virt kommt seine riesige Comic-Sammlung dazu: 500.000 Stück hat er. Viele davon im Geschäft, den Großteil in einem 200 großen Lager. Die sollen mit übernommen werden – kein billiges Unterfangen. Leser und SammlerEntstanden sind die beiden Comic-Shops übrigens aus dem Comicland, dem "Ersten österreichischen Comicsammler-Club". Und nicht nur diese: Auch Erwin Hutterer, der in der Landstraßer Hauptstraße sein Comic-Geschäft betreibt, war Mitglied und auch Günther Polland von der Comic-Galerie in der Albertgasse im 8. Bezirk.

Anfang der 1980er-Jahre hat Franz Virt den Verein gegründet – auf Drängen des damals erst 15-jährigen Günther Polland. "Wir kannten uns damals alle vom Flohmarkt. Es war eine Aufbruchstimmung da, weil wir bis dahin dachten, es gibt keinen Zweiten, der so einen Schas sammelt."

Doch während der nunmehr 50-jährige Polland selbst für Nachfolger gesorgt hat ("Ich hab’ drei Kinder. Eines wird ja doch das Geschäft übernehmen"), sollte es bei Franz Virt etwas schneller gehen: "Sonst steh’ ich da, bis ich in die Kisten hupf."

Wer und wo?

Comics Virt
3., Löwengasse 19

Comictreff
6., Barnabitengasse 12

Comics Hutterer
3., Landstraßer Hauptstraße 126

Comic-Galerie
8., Albertgasse 24

Manga World
Comic-Outlet
11., Gasometer A, Ebene 1