Chronik | Wien
13.12.2011

Eine Ohrfeige für den Staatsanwalt

Prozess: Ein abgewimmelter Mann kündigte „eine Belohnung“ an und und versetzte dem Juristen eine schallende Ohrfeige .

Er habe den Staatsanwalt nur „zum Nachdenken anregen“ wollen. Dann kündigte der 57-jährige Mann dem Herrn Staatsanwalt an: „Ich habe eine Belohnung für Sie“ – und versetzte ihm eine schallende Ohrfeige. Geschehen im Juni dieses Jahres am Gang des Grauen Hauses in Wien.

Am Dienstag musste sich der Mann erneut dort einfinden, auf der Anklagebank. „Tätlicher Angriff auf einen Beamten“ heißt das Delikt. Der 57-Jährige hatte Anfang des Jahres Betrugsanzeige erstattet, weil ihm sein Chef den Lohn schuldig geblieben war. Weil das Verfahren nicht in Gang kam, suchte er die Anklagebehörde auf und geriet an den Journalstaatsanwalt. Dieser vertröstete ihn.

Am 15. Juni marschierte der Mann erneut ins Wiener „Landl“ und machte sich auf die Suche nach dem ihm nunmehr namentlich bekannten Staatsanwalt. Er irrte durch das Gebäude und begegnete schließlich dem jungen Staatsanwalt, der soeben vom Mittagessen kam. „Sie sind meine letzte Hoffnung, bitte helfen Sie mir“, flehte er. Der Angesprochene gab dem Mann jedoch zu verstehen, dass er diesmal nicht Journaldienst habe.

"Kein Tatschkerl"

„Er wollte mich einfach wegschicken, zum zweiten Mal. Ich habe mich wie betrogen gefühlt“, erzählte der Mann nun vor Gericht. Dann habe er dem Staatsanwalt „so einen Klatsch“ versetzt, weil ihm „so viel Unrecht“ passiert sei: „Aber ich bin kein Täter, ich bin Opfer.“ Der geohrfeigte Staatsanwalt, dem damals ein Kollege zu Hilfe geeilt war, korrigierte als Zeuge: „Es war kein Tatschkerl.“ Hinterher habe der Mann noch „im Namen des Volkes“ ausgerufen. Der Richter ließ zur Verhandlung vorsorglich Polizisten aufmarschieren, der Angeklagte verhielt sich diesmal aber ganz friedlich. Es wurde vertagt.