Der Einbruch setzt Ingeborg und Harald Serafin noch heute zu. Beim Gang aus dem Haus wird seither immer die Umgebung abgesucht

© KURIER/Jeff Mangione

Kriminelle
12/21/2014

Einbruchsopfer: Die Verunsicherung ist weiter da

Dass Kriminelle in ihrer Wohnung waren, setzt Harald und Ingeborg Serafin noch heute zu.

von Michaela Reibenwein

Ein Einbruch hinterlässt nicht nur finanziellen Schaden. Wer Opfer eines Einbruches geworden ist, schleppt dieses Last auch Jahre später mit sich herum. "Wenn es in der Nacht knarrt, irgendein Geräusch zu hören ist – dann muss mein Mann sofort nachschauen", sagt Ingeborg Serafin. "Früher haben wir uns hier sehr sicher gefühlt", sagt Künstler Harald Serafin. "Doch seit dem Einbruch hat sich unser Leben verunsichert."

Mehr als fünf Jahre sind vergangen, seit die Wohnung der Serafins in der Wiener Innenstadt zum Ziel von Kriminellen geworden ist. Die Profi-Einbrecher kamen damals über das Dach, legten eine Alarmanlage lahm und holten sich gezielt die wertvollsten Stücke. Teuren Schmuck, eine Uhrensammlung und sogar einen Orden.

Der Ring der Mutter

"Wir waren Abends zu einem großen Essen eingeladen, als der Anruf kam", erinnert sich Harald Serafin. Als das Paar nach Hause raste, wurde es bereits von sieben Polizisten und einem kreisenden Hubschrauber empfangen – die zweite Alarmanlage hatten die Täter nicht ausschalten können. "Als wir in die Wohnung gekommen sind, war auf den ersten Eindruck alles intakt, nichts zerstört", erinnert sich Ingeborg Serafin. "Aber als wir dann ins Schlafzimmer gekommen sind ... Alle Laden waren offen, alles war ausgeräumt und durchwühlt." Der Schmuck, der gestohlen wurde, hatte auch einen persönlichen Wert. "Darunter war zum Beispiel ein Ring mit einem Aquamarin von meiner Mutter. Dem habe ich lange nachgeweint", schildert Ingeborg Serafin. "Jetzt will ich keinen Schmuck mehr. Das macht keinen Sinn. Was soll ich damit tun? Ihn ins Schließfach auf die Bank bringen?"

Die erste Tage nach dem Einbruch habe man nicht schlafen können, erinnert sich das Paar. "Unsere größte Panik ist, dass Einbrecher kommen, wenn wir zu Hause sind. Das Gefühl ist grauenhaft", sagt Harald Serafin.

Die Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht. Der aufmerksame Blick auf die Umgebung, wenn man das Haus verlässt, ist geblieben. Und das Misstrauen. Denn die Serafins wissen: Sie wurden damals tagelang beobachtet. "Einmal hat es an der Wohnungstür geläutet. Ein gut gekleideter Mann stand davor und fragte, ob ich ihm einen Kugelschreiber borgen kann", erinnert sich Ingeborg Serafin. Sie ist sicher: Er wollte die Wohnung auskundschaften. Und erst vor Kurzem sei wieder ein Unbekannter im Haus gewesen. "Ich habe ihn angesprochen, wen er denn sucht. Er sagte: Seine Mutter. Doch das kann gar nicht sein, ich kenne alle Leute in diesem Haus. Aber was willst du da tun? Er hat ja nichts gemacht."

Damals übrigens dürften zwei Männer und zwei Frauen den Einbruch begangen haben. Augenzeugen gibt es. Geschnappt wurde die hoch professionelle Bande aber nie.

Sarkasmus muss man verstehen

Die Schäden vom Einbruch in Gerald Pichowetz’ Haus sind schon beseitigt, als der KURIER diese Woche den Theaterdirektor besucht. Der Schock sitzt aber auch Tage danach noch tief: "Meine Frau verkraftet das alles nur schwer. Es ist einfach ein irrsinniger Eingriff in die Privatsphäre, wenn Fremde die Schubladen durchsuchen."

Wie die ersten Ermittlungen ergaben, dürfte das Haus seit längerer Zeit beobachtet und fotografiert worden sein. Auch die Alarmanlage war für die Räuber kein Grund, den Einbruch sein zu lassen. Was die ganze Sache dann erst medienwirksam machte, war ein Posting, das Pichowetz kurz nach dem Einbruch auf Facebook veröffentlichte. Es war ein Brief, den er an die Einbrecher richtete. Mit der großen, teils äußerst kritischen Resonanz der Nutzer, hatte der Entertainer nicht gerechnet. "Ich habe nach dem dreißigsten Kommentar aufgehört zu lesen. Sarkasmus muss man schon verstehen, wenn man das Posting liest."

Appell und Kritik an EU

Die harsche Kritik richtete sich gegen den Satz: "Meine Frau freut sich Euch Armen, mit 100 % ausländischem Hintergrund, ihren gesamten, hart erarbeiteten und schwer verdienten Schmuck schenken zu dürfen". Dass die Täter keine Österreicher sind, schlussfolgerte das Paar daraus, dass die Täter bei der Flucht laut in einer fremden Sprache fluchten. Dass ihm sein Posting so negativ ausgelegt wurde, versteht der Entertainer nicht. "Ich wollte damit zum Dialog aufrufen, weil organisierte Banden ein Problem sind, dass die EU einfach ignoriert. Die Kommentare waren aber eher wie ein verbaler Schlaghammer", sagte Pichowetz.

Im Gegenzug zu einigen Hundert kritischen Äußerungen, hat das Posting aber auch fast 8000 "Gefällt mir"-Angaben. "Ich habe die Meinung vieler Menschen wiedergegeben. Im EU-Parlament wird besprochen, wie Gurken gekrümmt sein dürfen, aber nicht, wie mit Kriminalität umgegangen werden kann. Die Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten muss viel mehr vernetzt werden", appelliert der Entertainer an die Politik.

Pichowetz setzt sich schon lange für Einwanderer und Flüchtlinge ein, hatte selbst welche in seinem Haus beherbergt. "Es geht darum, dass die Leute nicht mehr hinschauen, wer wirklich Hilfe braucht und wer nur auf Geld aus ist. Letzte Woche wollte ein Obdachloser Geld von mir haben, um sich etwas zu essen kaufen zu können. Ich habe dann vorgeschlagen, dass er mit mir in ein Fast-Food-Restaurant gehen kann und ich ihn dort einlade. Was für eine Antwort ich da bekommen habe, will ich gar nicht aussprechen", sagt Pichowetz.

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