Chronik | Wien
05.12.2011

Ein Jahr Nacht-U-Bahn: 495 Festnahmen

Die Wiener Nacht-U-Bahn feiert Jubiläum und zieht unter anderem auch eine unerfreuliche Bilanz: Delikte aller Art wurden angezeigt.

Die Wiener Nacht-U-Bahn feiert dieses Wochenende Geburtstag: Vom 3. auf den 4. September 2010 waren die Züge erstmals rund um die Uhr unterwegs. Dass die nächtliche Benutzung des Öffis nicht nur erfreuliche Begleiterscheinungen hat, ahnte man voraus. Mobile Streifen der Wiener Polizei in den U-Bahnen selbst und in den Stationen waren seither unterwegs.

Während dieser Zeit wurden laut Aussendung der Exekutive 495 Personen festgenommen. 155 davon wegen strafrechtlicher Delikte, sechzehn Personen wurden bereits mittels Haftbefehl gesucht. Die übrigen Festnahmen erfolgten aufgrund von verwaltungsstrafrechtlichen Delikten wie Ruhestörungen und Anstandsverletzungen und wegen fremdenpolizeilicher Verstöße. Suchtgifte waren die Gründe für 198 Anzeigen.

"Der hochmotivierte Einsatz der Kolleginnen und Kollegen, die rasche Umstellung auf die schwerpunktmäßige Überwachung auf Hotspots und die flexible Verlagerung bei anlassbezogenen Einsätzen haben zu diesem Erfolg beigetragen" so Landespolizeikommandant Karl Mahrer.

Zuletzt gab es in der U-Bahn für Nachtschwärmer Adaptierungen im Bereich Sicherheit. Zu Beginn waren noch in jeder Garnitur zwei Polizisten mit dabei. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall, ein Teil der Uniformierten wird an Knotenpunkten konzentriert. Die Personalstärke sei jedoch nicht verändert worden.

Fünf Millionen Gäste

Die Zahl der Nutzer der Nacht-U-Bahn kann sich sehen lassen: Durchschnittlich fahren pro Nacht 45.000 Wiener damit, wobei der Spitzenwert im "regulären" nächtlichen Angebot bei 85.000 lag. Die zwei Spitzenreiter: Donauinselfest und Silvester. Zum Jahreswechsel gab es jedoch auch bisher schon durchgehenden Betrieb. Insgesamt haben mehr als 5 Millionen Fahrgäste das Angebot genutzt.

Ein Erfolg also. Dass es die U-Bahn in der Nacht aber überhaupt geben wird, war keineswegs immer klar: Bereits 2009 forderte der JVP-Obmann und nunmehrige Staatssekretär Sebastian Kurz einen durchgehenden Betrieb. Der Vorschlag sorgte für Aufregung, was aber weniger am Inhalt, sondern an der Form lag. Die JVP hatte sich als Werbemittel zwei Pappfiguren zimmern lassen, die das Schild "24 h Verkehr am Wochenende" vor die Brust halten. Die weibliche Figur hinter dem Schild war offensichtlich entblößt. Die Stadt-Schwarzen mussten sich daraufhin Sexismus-Vorwürfe gefallen lassen. Und sie bekamen auch in der Sache selbst eine Abfuhr: Die SPÖ zitierte Umfragen, wonach eine Nacht-U-Bahn von den Wiener nicht gewünscht werde. Außerdem wäre diese zu teuer. Schließlich entschloss man sich jedoch, sich noch einmal genauer zu erkundigen, nämlich im Rahmen der Volksbefragung Anfang 2010. Sie brachte schließlich eine (wenn auch knappe) Zustimmung. Die Junge ÖVP setzt unterdessen die nächsten Schritte: Sie fordert anlässlich des ersten Geburtstags die Einführung von Nacht-Straßenbahnen.

Events zum Geburtstag

Zum Jubiläum veranstalten die Wiener Linien die "Nightride"-Event-Nacht. Ein Ticket, das zugleich als Fahrschein für die Öffis gilt, gewährt freien Eintritt in über 30 teilnehmende Lokale, Bars und Clubs. U-Bahn-Feiern gibt es unter anderem im U4, im Volksgarten oder im Chelsea.