Der Angeklagte (M.) vor Prozessbeginn

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Wien
08/03/2016

Dreifachmord in Wien: Mann in Anstalt eingewiesen

Pole hatte in Wien ein Ehepaar und in Göteborg einen Pensionisten getötet.

Wegen des aufsehenerregenden Mordes an einem Wiener Ehepaar sowie einem Pensionisten in Göteborg hat ein Wiener Gericht am Mittwoch nach kurzer Beratung die Einweisung über den Beschuldigten beschlossen. Der 30-Jährige leidet seit rund zehn Jahren an einer unbehandelten paranoiden Schizophrenie und ist daher zurechnungsunfähig. Er wurde in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Die Entscheidung ist rechtskräftig. "Ich nehme das Urteil an", sagte der 30-jährige Pole sofort, der bereits seit seiner Verhaftung in der Sonderanstalt in Göllersdorf untergebracht ist und dort behandelt wird. Staatsanwältin Kristina Jahn verzichtete ebenfalls auf Rechtsmittel.

Sterbende Frau vergewaltigt

Der Beschuldigte hatte am 19. Mai 2015 im Stadtteil Aspern in der Donaustadt ein Ehepaar - der Mann, ein ehemaliger Bezirksrat, war 75, seine Frau 74 Jahre alt - getötet, weil es den 30-Jährigen bei einem Einbruch erwischte. Er ging mit enormer Brutalität auf die Pensionisten los, vergewaltigte sogar noch die sterbende Frau.

Gegenstand der Verhandlung war auch eine Bluttat in Göteborg, die auf Ersuchen der schwedischen Behörden in das Wiener Verfahren einbezogen wurde. Wie sich bei den Ermittlungen herausstellte, wies die Bluttat in Aspern frappante Parallelen zu einem Mord an einem 79-Jährigen auf, den der Mann knapp vier Wochen zuvor in Schweden begangen hat.

Geisteskrank

Der gebürtige Pole, der nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in den Niederlanden, in Deutschland und in Großbritannien zum Teil einschlägig vorbestraft ist, leidet seit 2006 an der Geisteskrankheit, die jedoch bisher unbehandelt blieb. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit Einbrüchen, wobei es ihm nicht darum ging, große Beute zu machen, sondern sich in unbewohnten Häusern zu verköstigen, zu duschen und zu schlafen. Stimmen in seinem Kopf befahlen ihm, wohin er gehen soll.

Im vergangenen Jahr kam er mit Fahrrad über Znaim nach Wien. Als ihm am Praterstern ein Bekannter Gummihandschuhe schenkte, "hab ich das als Signal gesehen, dass ich irgendwo einbrechen soll", berichtete der Angeklagte der Vorsitzenden des Schwurgerichts, Nina Steindl. Der 30-Jährige fuhr mit der U-Bahn nach Aspern und ließ sich auf einem verwilderten Grundstück nieder, wo er zunächst im Freien hauste. Hunger und Durst dürften ihn schließlich dazu getrieben haben, in das Haus eines älteren Ehepaars einzudringen. Mithilfe eines Hammers und eines Blechs machte er sich daran, eine Tür des Hauses eines 75-jährigen, ehemaligen Bezirksrates und seiner 74 Jahre alten Frau aufzubrechen. Das Ehepaar wurde jedoch aufgrund des Lärms auf den Mann aufmerksam und gingen in den Garten, um nachzusehen. Dort ging der 30-Jährige sofort auf das Paar los.

Der mit einem Messer bewaffnete Mann stach auf den Pensionisten 38 Mal ein, dabei hielt er den Kopf seines Opfers fest, um mit der Waffe vor allem den Hals und Nackenbereich zu treffen. "Der Tod ist sehr schnell eingetreten", sagte Gerichtsmediziner Christian Reiter. Die Frau des Ex-Politikers überlebte den Angriff des Polen zunächst, obwohl sie 29 Stichverletzungen erlitt. Der 30-Jährige verging sich an der sterbenden Frau, ehe er in das Haus des Paares ging, um sich zu duschen. Als er merkte, dass die Frau noch schwer atmete, nahm er einen Spaten und schlug zu.

Der Sohn des Paares entdeckte in der Nacht auf den 22. Mai 2015 die übel zugerichteten Leichen seiner Eltern im Eingangsbereich des Hauses in der Böckingstraße bzw. im Garten. Am Körper der Frau hatte der Täter mit Holzlasur den Schriftzug "Tantal" hinterlassen, ehe er das Weite suchte. Er wurde Anfang Juni mit Europäischem Haftbefehl in Düsseldorf festgenommen und zur Strafverfolgung an die Wiener Justiz ausgeliefert.

"Ich bin verflucht"

Bisher hatte sich der Pole nicht dazu geäußert, was das Wort "Tantal" bedeutet. "Das ist ein griechischer Gott, der verflucht worden ist", erklärte er nun vor Gericht. "So wie ich verflucht bin. Die Halluzinationen, an denen ich leide, sind ein Fluch", meinte der 30-Jährige, dessen rechter Unterarm den tätowierten Schriftzug "Dolce Vita" zierte.

In der Sonderanstalt Göllersdorf wird er nun behandelt. "Ich bekomme Pillen, die mir gut tun. Ich hatte dort nur eine Halluzination, dass ich ein Buch schreiben soll", sagte der 30-Jährige, der vor Gericht von Anwalt Victor Valent vertreten wurde. Der Mann wird nun ohne zeitliche Begrenzung so lange im Maßnahmenvollzug angehalten, bis Experten überzeugt sind, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht.