Der Arzt wählt eine Sprache und schaltet im Gespräch mit dem Häftling die Dolmetscherin dazwischen.

© KURIER/Franz Gruber

Strafvollzug
12/16/2014

Dolmetscher per Video für kranke Häftlinge

Sprachbarriere: Projekt im größten Gefängnis.

von Ricardo Peyerl

Das größte Gefängnis Österreichs, die Justizanstalt Wien-Josefstadt, platzt mit 1240 Gefangenen wieder einmal aus allen Nähten. Zwei Drittel der überwiegend in U-Haft sitzenden Personen sind keine Österreicher, ein Drittel spricht kein Deutsch, 70 Nationen sind vertreten. Die Verständigung über gesundheitliche Probleme in der Krankenabteilung, in der pro Jahr bis zu 30.000 Häftlinge behandelt werden, ist schwierig.

Das Justizministerium hat in einem Pilotversuch Videokonferenzen mit zugeschalteten Dolmetschern eingerichtet. Innerhalb von zwei Minuten kann in derzeit 15 Sprachen Übersetzungshilfe geleistet werden. Zehn bis 15 solcher Einsätze gibt es pro Woche.

Beim KURIER-Lokalaugenschein untersucht der ärztliche Leiter, Klaus Kaiser-Mühlecker, einen ungarisch sprechenden Häftling. Eine Dolmetscherin für ungarisch wird angewählt und ist rasch online. Der Patient wird nach Krankheiten und Medikamenten gefragt, die er einnehmen muss. Er berichtet von einem Asthmaspray. "Wir müssen uns die Informationen nicht mit Händen und Füßen zusammensuchen", sagt Kaiser-Mühlecker, "damit können wir die medizinische Qualität verbessern." Vor allem über psychische Probleme, die bei den Häftlingen häufig vorkommen, "kann man in einer fremden Sprache schwer erzählen".

Schweigepflicht

Die in ihren Büros mit der nötigen Videotechnik ausgerüsteten Dolmetscher sind für medizinische Ausdrücke geschult. Auf die ärztliche Schweigepflicht wird streng geachtet, während des Gesprächs mit den Häftlingen gemachte Notizen müssen danach sofort vernichtet werden. Es gibt für die gefragtesten Sprachen mehrere Dolmetscher (Gebärdensprache, Türkisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch), Tschetschenisch wird noch gesucht.

Das bis Juni 2015 laufende Pilotprojekt soll auf alle Gefängnisse (und auch auf externe Krankenhäuser) ausgeweitet werden.

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