Chronik | Wien
04.01.2012

Die Reformpläne für Wiener Wohnen

Stadtrat Michael Ludwig (SPÖ) kündigt Reformen bei Wiener Wohnen an: Düstere Zeiten für private Partnerfirmen.

Er ist der Vermieter von knapp einer Million Wienern: Michael Ludwig, roter Wohnbaustadtrat und Herrscher über Wiens Genossenschafts- und Gemeindebauten, will Wiener Wohnen im Jahr 2012 reformieren. Die Rute, die ihm Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) nach dem Verlust der absoluten Mehrheit 2010 ins Fenster gestellt hat, war unmissverständlich: „Es sind Fehler in der Verwaltung passiert“, sagte Häupl in einem KURIER-Interview. Und: Das rot-blaue Match um die Mittelschicht müsse künftig stärker im Genossenschaftsbereich geschlagen werden.

Ludwig, der neben Finanzstadträtin Renate Brauner, auch immer wieder als ein möglicher Nachfolger Häupls genannt wird, kündigt nun erste konkrete Schritte an: Das Beschwerdemanagement soll noch 2012 zentralisiert werden, und eine neue Abteilung soll Partnerfirmen, die im Auftrag von Wiener Wohnen arbeiten, genau auf die Finger schauen.

KURIER: Bürgermeister Michael Häupl fordert Reformen bei Wiener Wohnen ein. Was haben Sie vor?

Michael Ludwig: Seit November ist mit Josef Neumayer ein neuer Leiter im Einsatz. Seine Aufgabe ist es, noch im Jahr 2012 bereits eingeleitete Reformen umzusetzen.

Mieter im Hugo-Breitner-Hof oder im Reumann-Hof klagen seit Jahren über zu hohe Betriebskostenabrechnungen und undurchsichtige Strukturen bei Wiener Wohnen.

Wiener Wohnen ist mit 220.000 Wohnungen die größte kommunale Hausverwaltung Europas. Eine halbe Million Wiener leben im Gemeindebau. Natürlich können da Fehler passieren. Unser Ziel ist es aber, die Quote möglichst gering zu halten. Es wird deshalb jetzt auch ein zentrales Beschwerdemanagement eingeführt. Dadurch wird weniger Zeit zwischen Schadensmeldung und Reparatur vergehen. Außerdem werden wir 2012 die Innenrevision stärken und häufiger Kontrollen durchführen.

Was erwarten Sie sich davon?

Wiener Wohnen vergibt im Jahr 360.000 Aufträge an private Firmen. Eine eigene Abteilung soll diese Firmen stärker kontrollieren. Wird die vereinbarte Leistung erbracht? Wann wird sie erbracht und ist wirklich jeder Auftrag nötig? Wir werden es künftig nicht mehr akzeptieren, wenn Firmen andere Kunden rascher abarbeiten als uns.

Viele stoßen sich am Callcenter: Es gibt eine Nummer für 500.000 Mieter, Betreuer sind nicht erreichbar.

Das Callcenter nimmt im Jahr eine Million Anrufe entgegen. Es ist daher schon sinnvoll, das über eine Nummer abzuwickeln. Wichtiger wird sein, die Bearbeitung der Anliegen durch Zentrale, Kundendienstzentren und Haus- und Außenbetreuung besser zu koordinieren. Das Motto: In der Verwaltung zentralisieren und im Kundenbereich dezentralisieren, um nahe bei den Mietern zu sein. Wir haben 40 neue Stützpunkte in Gemeindebauten geschaffen. In Summe sind es nun zirka 100.

Sind die Mieterrechte zu schwach ausgeprägt?

Das glaube ich nicht. Anders als im privaten Wohnbaubereich haben wir die Mitbestimmung zentral verankert. Ich habe Rechte und Möglichkeiten der Mieterbeiräte ausgebaut und gestärkt. Wenn nötig, werden strittige Fälle bei der unabhängigen Schlichtungsstelle entschieden. Den Mietern entstehen dabei weder Kosten noch Risiken.

Häupl möchte den rot-blauen Kampf um die Mittelschicht im Genossenschaftsbereich führen. Um diese 450.000 Bewohner hätte man sich zu wenig gekümmert. Was werden Sie tun?

Ganz offensichtlich sind die Abstiegsängste in Genossenschaftswohnungen besonders hoch. Da müssen wir ansetzen. Gemeinsam mit den Genossenschaften wollen wir etwa das Grätzlmanagement verbessern. Mein Ziel lautet: Ich will zufriedene Menschen haben. Denn das ist die wirksamste Waffe gegen Populisten.

Als Stadtrat sind Sie auch für privaten Wohnbau zuständig. Seit Jahren steigen die Mieten konstant – allein im Vorjahr um 2,7 Prozent.

Wir setzen ganz gezielte Maßnahmen. Das Wichtigste neben einem starken und transparenten Mietrecht ist die Schaffung und Bereitstellung eines vielfältigen Wohnungsangebots. Dies stellen wir über den geförderten Wohnbau – 9 von 10 Wohnungen werden derzeit mit Wohnbauförderungsmitteln errichtet – und die neue Wohnbauinitiative sicher. So wirken wir auch preisdämpfend auf den gesamten Wiener Wohnungsmarkt.