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Innere Stadt
05/01/2016

Die Kabarettistin und der Koch

Ins "Artner am Franziskanerplatz" geht Angelika Niedetzky für Steak und Gespräch mit Markus Höller.

von Anna-Maria Bauer, Jeff Mangione

Bis November ist eigentlich noch viel Zeit. Aber wenn bis dahin das neue Programm fertig sein muss, fühlen sich sechs Monate auf einmal sehr kurz an – zumindest findet das Angelika Niedetzky.

Immerhin den Titel hat die Kabarettistin schon: Gegenschuss. Was ist die Idee dazu? "Wenn fünf Menschen etwas erleben, gibt es fünf Wahrnehmungen und damit fünf Wahrheiten." Von diesen Grauschattierungen der Realität, von zwischenmenschlichen Beziehungen, die unterschiedlich wahrgenommen werden, soll das neue Programm handeln.

An dem Inhalt wird derzeit eifrig gearbeitet und das kann die gebürtige Oberösterreicherin, die in den vergangenen Wochen mit der Comedy-Serie "Kalahari Gemsen" im Fernsehen zu sehen war, am besten des Nachts.

Da geht es ihr wie Markus Höller, dem Küchenchef in den Restaurants von Markus Artner. Auch er ist zwischen Dämmerung und Morgengrauen am produktivsten.

Oberösterreicherbande

Neben den Lokalen in Wien führt Höller auch den Familienbetrieb in Oberösterreich, den Höllerwirt in Altmünster. Dort haben sich Kabarettistin Niedetzky und Wirt Höller vor Jahren kennengelernt. Mittlerweile leben beide in Wien, und wenn die 37-Jährige nun Gusto auf Steak bekommt oder in einer Schreibpause mit Markus plaudern möchte, schaut sie am Franziskanerplatz 5 vorbei.

So wie auch an diesem Freitag, als sie mit Mischlingshündin Rosa das "Artner am Franziskanerplatz" betritt. In dem modern-eleganten und doch bodenständigen Lokal mit Holzvertäfelung und Kuhfell als Sitzlehne ist man auf Steaks spezialisiert. Zubereitet wird das Fleisch auf dem Josper-Holzkohlegrill – laut Höller der Rolls Royce unter den Grillern – der dafür verantwortlich ist, dass die Steaks herrlich rauchig schmecken.
Was es diesmal sein darf? Niedetzky entscheidet sich für Côte de Boeuf, die Hochrippe. Das Fleisch wird medium durch mit Mango-Ketchup, Pommes und einem Glas vom Artner-Wein "Spazierer" serviert. Apropos spazieren. Das ist auch in Niedetzkys aktuellem Soloprogramm "Niedetzky Marsch" Thema, mit dem sie am 12. Juni im Kabarett Niedermair auftritt. Der Sukkus: So viel nimmt man sich zu Jahresbeginn vor, und dann wird doch wieder nur marschiert – ohne richtig weiterzukommen.

Dorfers Hilfe

Seit sie als Jugendliche erkannte, dass sie gut Lehrer imitieren konnte, wusste sie, dass sie Kabarettistin werden wollte. Dass sie diesen Beruf tatsächlich ausübt, hat sie ein wenig Alfred Dorfer zu verdanken: "Ich war ein großer Fan. Einmal passte ich ihn nach einer Vorstellung ab und sagte: ,Ich bin die Angelika und möchte gerne Kabarett machen. Was kann ich tun?’" Sie durfte ihm einen Text vorbeibringen. Die Antwort würde sie in zwei Wochen erhalten. "Ich war so nervös. Mehr als vor jeder Premiere." Aber das wäre gar nicht notwendig gewesen: Er war begeistert. Von diesem Moment an war ihr klar, dass sie sich dem Kabarett widmen würde. Bis zum ersten Soloprogramm dauerte es dann zwar, aber mittlerweile ist sie von den Bühnen Österreichs nicht mehr wegzudenken, und soeben kam die Idee für ein potenzielles viertes Programm: Ein kabarettistisches Kochprogramm mit Markus Höller.