Frühere Mitarbeiter und angebliche Komplizen Aliyevs wurden bereits in Kasachstan abgeurteilt. Ihm wird nun der Prozess in Wien gemacht.

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Chronik | Wien
01/02/2015

Die Anklage gegen Rakhat Aliyev

Angeblicher Mord unter den Augen der Öffentlichkeit und der Polizei.

Es ist ein unglaublich grotesker Krimi, den die Staatsanwaltschaft Wien in Form einer Anklage gegen den kasachischen Exbotschafter Rakhat Aliyev eingebracht hat.

Weil Aliyev als Ex-Schwiegersohn des Präsidenten Nursultan Nasarbajev in seiner Heimat kein faires Verfahren erwarten kann, musste die Wiener Justiz die dort erhobenen Mordvorwürfe prüfen. Staatsanwältin Bettina Wallner ist bei ihrer Anklage den Vorwürfen der kasachischen Generalprokuratur weitgehend gefolgt. So soll sich die Tat laut Anklage abgespielt haben:

18. Jänner 2007 Aliyev, Hauptaktionär der Nurbank, stellte fest, dass Mitarbeiter große Vermögenswerte an sich gebracht hätten.

Unter einem Vorwand lockte er den Vorstandsvorsitzenden und einen weiteren Manager in ein Nebengebäude. Dort soll er beide mit Handschellen gefesselt, misshandelt und mit vorgehaltener Pistole gezwungen haben, ein Geständnis abzulegen und darüber hinaus ein millionenteures Bürogebäude zu überschreiben. Nach 24 Stunden wurden die beiden freigelassen. Sie bildeten mit weiteren Bankmanagern eine Art "Notwehrgemeinschaft". Sie schrieben Briefe an den Präsidenten und die Staatsanwaltschaft, und organisierten Personenschutz bei der kasachischen Sondereinheit SOBR.

22. Jänner 2007 Der bedrohte Vorstandsdirektor übertrug seine Nurbank-Aktien an Aliyevs Ehefrau und Präsidententochter Dariga. Auch das 87 Millionen teure Bürogebäude Ken Dala wurde zu einem Spottpreis übertragen.

31. Jänner 2007 Die Nurbank-Manager Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov wurden von Aliyev und seinem Leibwächter im Ken Dala gefangen genommen und misshandelt. Khasenovs Ehefrau erfuhr vom Schicksal ihres Gatten, und verständigte die Sondereinheit SBOR. Vier SBOR-Beamte kamen und wurden von Aliyev am Betreten des Hauses gehindert. Aliyev, der als früherer Geheimdienst-Vizechef beste Beziehungen zu Sicherheitskreisen hatte, beschuldigte die SBOR-Beamten, sie hätten einen bewaffneten Überfall auf die Bank geplant. Die Beamten wurden verhaftet. Auch ein Fernsehteam wurde gerufen, um den angeblichen "Überfall" zu filmen.

1. Februar 2007 Die Bankmanager waren inzwischen auf ein Firmengelände in einem anderen Stadtteil gebracht worden. Dort wurden sie mehrere Tage lang gefoltert. Einer wurde mit einem Holzstock vergewaltigt.

4. Februar 2007 Die Ehefrauen der Abgängigen gaben eine Pressekonferenz und veröffentlichten im Internet einen Brief an Staatspräsident Nasarbajev. Während die Medien bereits über das Schicksal der beiden Manager spekulierten, wurden in aller Ruhe die mit Psychopharmaka fast totgespritzten Manager zu einer Müllgrube gebracht, erwürgt und in mit Löschkalk gefüllten Metallfässern vergraben.

87 Zeugen in Kasachstan müssen nun mit einer Ladung zum Prozess rechnen. Die Verteidigung sieht dem gelassen entgegen. Denn das alles sei eine kasachische "Räuberpistole", die nur durch zweifelhafte Zeugenaussagen gestützt werde. Immerhin wird in einem kasachischen Strategiepapier dem Thema "Zeugentraining" ein großes Kapitel gewidmet.

Die Anklage wirft außerdem noch Fragen bezüglich der Präsidentenfamilie auf. Wenn die Vorwürfe stimmen, besitzt ja die Präsidententochter mit den erpressten Nurbank-Aktien einen Teil der Beute.

Rakhat Aliyev

Schwiegersohn Aliyev war Schwiegersohn des Präsidenten von Kasachstan. Nach Streit mit dem Präsidenten kamen Mordvorwürfe.

Österreichbezug Von 2002 bis 2005 und 2007 wurde er nach Österreich als Botschafter entsandt. Hier suchte er um Asyl an.