Grinzinger Straße 77: Die Dachziegel wurden schon abgetragen

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Döbling
01/13/2014

Das historische Heiligenstadt bröckelt

KURIER-Stadtgespräch: Ein Haus aus dem 18. Jahrhundert muss einem Wohnbau weichen.

von Josef Gebhard

Moderne Bauten sind ja in Ordnung. Aber bitte nur dort, wo sie auch hinpassen“, sagt Romana Tschany-Hiessböck aus Heiligenstadt (Döbling). Gemeinsam mit anderen Anrainern kämpft sie gegen den Abriss des alten Hauses auf der Grinzinger Straße 77, der unmittelbar bevorsteht.

Wo jetzt noch das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert steht, will ein privater Investor eine moderne Wohnhaus-Anlage mit elf Wohnungen, einem Büro und einer Tiefgarage errichten. Auch angrenzende Gebäude, so fürchtet die Anrainerin, werden durch den Neubau in Mitleidenschaft gezogen. Und das, obwohl sie alle in einer Schutzzone stehen.

Abbruchreif

Ein Gutachten hatte dem Haus, das früher zum Heurigen Zimmermann gehörte, technische Abbruchreife bescheinigt. Demnach soll unter anderem die Dachdeckung in einem sehr schlechten Zustand sein. „Komisch ist nur: Die Dachziegel, die schon abgetragen wurden, wurden fein säuberlich auf einen Stapel geschichtet“, erzählt Tschany-Hiessböck. „So unbrauchbar können sie also nicht sein.“

„Das Haus ist nicht erhaltenswürdig. Allein schon wegen der Feuchtigkeitsschäden“, kontert Döblings Bezirksvorsteher Adi Tiller (ÖVP). Über die Baupläne ist aber auch er nicht restlos begeistert. „Doch die zuständige MA 19 hat beschlossen, dass der Neubau in das Ortsbild passt.“

Der Bezirkschef hätte sich auch gewünscht, dass das neue Gebäude nach hinten versetzt wird, damit die Engstelle in der Grinzinger Straße beseitigt wird. Auch das habe die Behörde abgelehnt. „Dabei wäre der Bauherr einverstanden gewesen.“

Meist seien den Bezirken die Hände gebunden, klagt Tiller: „Wir könnten viel mehr im Interesse der Bewohner erreichen, wenn wir die Baubehörde erster Instanz wären – so wie die Bürgermeister in den Landgemeinden. In Wien ist das aber der Wohnbau-Stadtrat. Dass das so ist, ist ein Fehler in der Bauordnung.“

KURIER-Stadtgespräch: Grätzl in Gefahr.

Dienstag, 14. Jänner 2014, 18 Uhr, Buschenschank Wolff,19., Rathstraße 44–46. Am Podium: Maria Vassilakou, Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin (Grüne), Michael Ludwig, Wohnbaustadtrat (SPÖ), Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz. Der Eintritt ist frei.

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