Chronik | Wien 10.04.2012

Das Fest der Auferstehung und das Leid der Sterbenden

In der Bundeshauptsstadt herrscht bei Hospizen Aufholbedarf, sagen Experten.

Wien ist bei Weitem noch nicht da, wo es sein sollte", sagt Waltraud Klasnic, Präsidentin von Hospiz Österreich. Sie und Caritas-Chef Michael Landau sind überzeugt: Die Stadt könnte den Wienern ein besserer Begleiter auf dem letzten Lebensweg sein. Immerhin haben sich Bund und Länder in einer Art 15-A-Vereinbarung verpflichtet, bis 2012 eine flächendeckende Versorgung im Palliativ- und Hospizbereich umzusetzen. Davon ist man hier jedoch noch weit entfernt.

Klasnic verweist auf Zahlen des Bundes: "Wien benötigt doppelt so viele mobile Palliativ-Teams und drei Mal so viele mobile Hospizteams, die die Menschen zu Hause auf­suchen." Auch das einzige Tageshospiz, über das Wien verfügt, das Haus St. Bar­bara der Caritas, ist allein von Spenden abhängig. Die Einrichtung kann nur ein Mal in der Woche offen halten. "Das ist zu wenig", urteilt Klasnic. Landau sagt: "Niemand käme auf die Idee, für den Gips bei einem gebrochenen Arm Spenden zu sammeln. Es ist völlig unverständlich, dass dies in der Hospiz- und Palliativ­arbeit noch notwendig ist."

Beide fordern Förderungen für Ehrenamtliche. "In anderen Bundesländern gibt es diese längst."

Rathaus auf der Bremse

Im Büro von Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) will man sich dazu nicht äußern. Man verweist auf Otto Rafetseder, den Leiter der Gesundheitsplanung. Er sagt: "Dort, wo Lücken be­stehen, werden sie bis 2015 geschlossen." Doch die Lücken, die Rafetseder meint, sind bei Weitem nicht so groß wie jene, die Landau und Klasnic anprangern.

Derzeit verfügt Wien nur über 60 Betten für unheilbar Kranke (Palliativ). "Bis 2015 sollen es 90 sein", verspricht Rafetseder. "Darüber hinaus haben wir sieben mobile Palliativteams, die Patienten zu Hause besuchen und vier palliative Konsiliardienste in den Spitälern." Daran wolle man festhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Und wieso muss das Tageshospiz nur von Spenden leben? "Wir kennen die Versorgungswirkung des Hauses nicht", sagt Rafets­eder. Mit anderen Worten: Die Stadt stellt die Leistung von Wiens einzigem Hospiz infrage. Das Gleiche gilt für die Leistung der 234 Freiwilligen. "Ich glaube, dass diese Menschen einen wichtigen Beitrag leisten, aber wissen tu ich’s nicht." Eine Förderung ist nicht geplant.

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( Kurier ) Erstellt am 10.04.2012