Christine Marek - ein schneller Fall

Mit schweinischen Plakat-Slogans zog VP-Chefin Marek ins Feld.
Foto: KURIER/Schraml Wilhelm

"Unfreiwillige" Wiener ÖVP-Chefin muss zurück an den Karrierestart.

Die schwarze Erde brodelt weiter. Nach dem Rückzug von ÖVP-Chef Josef Pröll plus anschließender Regierungsumbildung und dem Abschied von Altkanzler Wolfgang Schüssel aus der Politik Anfang der Woche hat es am Freitag auch Christine Marek erwischt. Die frühere Familienstaatssekretärin legt ihr Amt als Wiener ÖVP- und Klubchefin zurück und kehrt in den Nationalrat zurück, von wo aus die 43-jährige 2007 zu ihrem kurzfristigen Höhenflug aufgebrochen war.

Dass die gebürtige Bayerin jetzt quasi politisch notversorgt wird, ist für Marek ziemlich bitter. Denn eigentlich hatte es die alleinerziehende Mutter eines Sohns gar nicht in die Landespolitik gezogen. Erst unter massivem Druck des damaligen Parteichefs Josef Pröll hatte sie sich im Herbst 2009 breitschlagen lassen, mit dem Bonus der Bekanntheit aus dem Bund in die Wiener Landtagswahl zu ziehen.

Die triste Lage der Wiener ÖVP, die sich durch den Wechsel von Landesparteiobmann Johannes Hahn als EU-Kommissar nach Brüssel verschärft hatte, zwang Pröll damals fast dazu, seine einzige "Wiener Waffe" in die Stadt zu schicken. Dass sich Marek dort dermaßen schwer tun würde, war zum Zeitpunkt ihrer Ernennung nicht absehbar.

Doch mit einer völlig misslungen Wahlkampagne, die der bis dahin als "bunter Vogel" geltenden Staatssekretärin eine Law-and-Order-Masche anheftete, schaffte es die Wiener ÖVP, mit Marek ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis von 13,99 Prozent einzufahren - plus der Peinlichkeit, am Tag danach per Inserat noch um Briefwahlstimmen zu werben, womit die glücklose Spitzenkandidatin immerhin unfreiwillig die Reform dieses Instruments miteinleitete.

Trotz des Desasters vom 10. Oktober 2010 musste Marek nun ganz nach Wien, wo sie gleich mit einer ungeschickten Personalpolitik, die den Wirtschaftsbund kaltstellte und ihren ÖAAB mit den wenigen verbliebenen Posten versorgte, ihre Demontage einleitete. Bei der Wahl zur Klubobfrau bekam die Landesparteichefin gerade einmal auf 14 von 23 Stimmen. Ihren Wunschkandidaten für die Landesgeschäftsführung, Christoph Hörhan, brachte sie nicht durch.

Entsprechend blieb Marek, der in weiten Teilen der Landespartei der Rückhalt fehlte, auch weiter blass. Die von ihr viel gepriesene "Agenda Wien plus" zur Reform der Partei blieb ohne echtes Ergebnis. Als Schüssel ging, sah Parteichef Michael Spindelegger die Chance, der Wiener Partei neues Leben einzuhauchen und Marek mit dem Nationalratsmandat des Altkanzlers zu versorgen.

Dabei galt sie noch vor kurzem als eine der Hoffnungen der Volkspartei. Die im Innviertel aufgewachsene Frohnatur a.D. war während ihrer Baby-Karenz bei der ÖVP Meidling angedockt und hatte sich schon mit 34 einen Sitz im Nationalrat erkämpft, den die kaufmännische Angestellte und spätere Betriebsrätin bei Frequentis auch fünf Jahre mit Engagement ausfüllte, und das nicht nur im Parlamentschor. Bei ihrem Wechsel in die Regierung als Staatssekretärin im Wirtschaftsressort machte sie von Beginn an recht gute Figur, so dass es überraschte, als sie nach der Neuauflage von Rot-Schwarz nur ihren Posten behielt und nicht in ein Ministeramt aufstieg.

Zu Mareks Verhandlungserfolgen im Bund gehörte das einkommensabhängige Kindergeld. Beim Gratis-Kindergarten hatte sie ebenfalls die Finger im Spiel. Ab jetzt kann sich die Karaoke-Liebhaberin wieder verstärkt dem parlamentarischen Singen widmen.

(kurier) Erstellt am
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