Chronik | Wien
29.12.2014

Umtriebe kasachischer Diplomaten

Causa Aliyev: Einbruch in Wiener Wohnung des kasachischen Ex-Geheimdienstchefs gibt Rätsel auf.

Ein mysteriöser Einbruch in die Wiener Wohnung des ehemaligen kasachischen Geheimdienstchefs Alnur Mussayev wirft in Sicherheitskreisen Fragen auf. Denn die kasachische Botschaft diente nach Unterlagen der Staatsanwaltschaft Wien, die dem KURIER vorliegen, jahrelang als Zentrale für die Jagd nach dem ehemaligen kasachischen Präsidenten-Schwiegersohn Rakhat Aliyev (nach einer Namensänderung heißt er nun Shoraz) und dessen ebenfalls nach Wien geflüchteten Gefolgsleuten. Nachdem einige Entführungsversuche gescheitert sind und der Verfassungsschutz kasachische Diplomaten als mutmaßliche Drahtzieher enttarnen konnte, wurde das Botschaftspersonal gegen unbelastete Personen ausgetauscht. Wer steckt aber jetzt hinter dem Einbruch bei Mussayev?

Rakhat Aliyev war bis zum Mai 2007 kasachischer Botschafter und OSZE-Repräsentant von Kasachstan in Wien. Nach einem Zerwürfnis mit Schwiegervater Nasarbajev legten kasachische Behörden Aliyev und seinem Partner Alnur Mussayev mehrere Straftaten zur Last und erließen internationale Haftbefehle. Nachdem die Betroffenen in der Heimat aus politischen Gründen keinen fairen Strafprozesse erwarten können, ist nun die heimische Justiz gezwungen, die kasachischen Vorwürfe zu prüfen. Beide wurden aufgrund der Vorwürfe aus Kasachstan im August in U-Haft genommen.

Entführungsversuche

Vorher war aber Mussayev schon zwei Mal Ziel von Entführungsversuchen. Beim zweiten Versuch im September 2008 erlitt seine Lebensgefährtin Lidiya E. eine schwere Gesichtsverletzung. Als Drahtzieher ermittelten Verfassungsschützer damals fünf Diplomaten der kasachischen Botschaft, die jedoch laut Akt "durch diplomatische Immunität vor Strafverfolgung geschützt waren". Sie wurden inzwischen abgezogen. Einer der Tatverdächtigen wirbt nun als Botschafter in Afghanistan für kasachische Unternehmen.

Privatermittler

Ausgespäht wurden die Opfer durch österreichische und deutsche Privatermittler, die Anfangs direkt von kasachischen Diplomaten angeheuert wurden. Eine weitere Spitzelaktion wurde im Jahr 2011 von einem Wiener Anwalt in Auftrag gegeben. Der bestreitet heftig, dass es das Ziel gewesen sei, die geheimen Wohnadressen der Gesuchten herauszufinden. Aber am 23. Dezember wurde die Wohnung Mussayevs ausgeplündert. Kein Betroffener glaubt an einen Zufall durch herkömmliche Einbrecher. Detail am Rande: Der pensionierte Kriminalbeamte Wilfried B. war Auftragnehmer bei der ersten Spitzelaktion der kasachischen Botschaft. Und er war auch bei der zweiten Spitzelaktion durch den Rechtsanwalt dabei. Strafrechtliche Folgen gibt es für ihn keine. Und eben bei jener Kriminalpolizei sucht die Lebensgefährtin Lidiya E. nun verzweifelt für sich und ihren 12-jährigen Sohn um Personenschutz an. Ob sie ihn bekommt, ist noch nicht nicht klar.