Causa AKH: „Wir müssen effektiver werden“

Herwig Wetzlinger
Foto: Kurier Geschoben? Nein, der Posten des stellvertretenden Direktors wurde korrekt ausgeschrieben. Wetzlinger setzte sich gegen 36 Mitbewerber durch

Herwig Wetzlinger soll das AKH aus dem Dauertief führen. Mitarbeiter werden geschult, große Vergaben ausgelagert.

Das AKH kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Herwig Wetzlinger (50) soll dies ändern. Seit September ist er stellvertretender Direktor im AKH. Die Erfahrungen, die er als kaufmännischer Chef des LKH Klagenfurt sammelte, wird er brauchen. Die Korruptionsbehörde ermittelt gegen AKH-Beamte wegen einer 50 Millionen Euro schweren Auftragsvergabe. Dem KURIER gibt Wetzlinger sein erstes Interview. Darin verrät er auch, dass er künftig mehr auf Klasse-Betten setzen will.

KURIER: Im Vorjahr drohten die Ärzte mit Streik, dann sorgte das Schicksal einer Schwangeren, die vom Haus abgewiesen wurde und ihr Kind verlor, für Aufregung. Und nun laufen Ermittlungen wegen eines 50-Millionen-Euro Vergabeskandals. Was ist los in Ihrem Haus?
Herwig Wetzlinger:
Ich bin seit September im AKH. Und was ich nicht tun werde, ist die Vergangenheit zu bewerten. Die Behörden sind am Zug. Ich widme mich der Zukunft.

Ihre Bestellung ist aber auch Zugeständnis dafür, dass bei Vergaben vieles falsch lief. Es kam zu Verhaberungen und Mitbewerber wurden unter Druck gesetzt. Glauben Sie, dass die Korruptionsstaatsanwaltschaft Anklage gegen Mitarbeiter des Hauses erhebt?
Das weiß ich nicht, da ich den Akt nicht kenne. Mir ist aber wichtig zu sagen, dass 99 Prozent der Mitarbeiter korrekte Menschen sind, die täglich sehr gute Arbeit leisten. Dann gibt es – so wie überall – eine Minderheit, die bedauerlicherweise anders ist.

Der betroffene Auftrag wird neu ausgeschrieben. Sollen Vergaben künftig nur noch von externen Institutionen abgewickelt werden?
In diesem Fall wurde die Bundesbeschaffungsgesellschaft mit der Abwicklung des Verfahrens beauftragt. Immerhin haben das auch andere Spitalsträger bei großen Ausschreibungen so gehandhabt. Außerdem sind die Leute im AKH nur darauf geschult, Routinefälle abzuwickeln. Diese bleiben auch künftig im Haus.

Gibt es auch Umstellungen im Management?
Die Wirtschaftsabteilung wird neu ausgerichtet. Viele Mitarbeiter, die verunsichert sind, müssen wir mit Personalentwicklung stützen. Künftig wird ein Mitarbeiter einem Lieferanten als Ansprechpartner für mehrere Produkte gegenüberstehen. Wir haben auch zu viele Beschaffungsstellen im Haus. Hier wird es Bündelungen geben. Und wir müssen im Zusammenspiel zwischen den Trägern – zwischen Medizinischer Universität, Gemeinde und Bund – effektiver werden. Ob mit neuer Betriebsgesellschaft oder neuer Geschäftsordnung ist Sache der Eigentümer.

Warum nutzt das AKH das gesetzlich mögliche Kontingent an Sonderklasse-Betten nicht aus?
Weil wir Sonderklasse-Patienten derzeit keine attraktive Hotel-Komponente bieten können. Künftig könnte man freiwerdende Strukturen aber für den Ausbau der Sonderklasse nutzen. Damit wird es auch für die Ärzte attraktiver, im Haus zu bleiben, statt sich außerhalb ein Zubrot zu verdienen.

In Ihrer Zeit in Klagenfurt waren Sie massiven Angriffen seitens der FPK ausgesetzt. Auch das AKH ist ein Polit-Spielball. Besorgt?
Die Situation war eine andere. In Klagenfurt fehlt eine Einigkeit unter den Parteien, wie das Gesundheitswesen aussehen soll. In Wien haben wir ein Spitalskonzept. Zentral ist auch, dass keine parteipolitische Einflussnahme auf das Handeln des Managements gegeben ist.

2014 zieht sich AKH-Chef Reinhard Krepler zurück. Können Sie sich vorstellen, seine Nachfolge anzutreten?
Mein Vertrag läuft bis 2016. Bis dahin möchte ich einen wertvollen Beitrag für das Haus leisten. Wie das von den Eigentümern für einen weiteren Karriereschritt beurteilt wird, will ich nicht bewerten.

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(kurier / Martin Gantner, Josef Gebhard) Erstellt am
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