Musiker Robert Summerfield

© /Raphael Skrepek

Café Leopold
10/12/2014

Tanzen im Museumsshop

Konzerte finden mitten im Leopoldmuseum statt. Act Robert Summerfield ist selbst oft Gast.

von Anna-Maria Bauer

Mit 16 verschlug es den deutsch-amerikanischen Robert Summerfield das erste Mal nach Wien. Um einen Freund zu besuchen. Und er war begeistert. Von der Stimmung, den Leuten, dem Donaukanal und dem MuseumsQuartier. Als der rothaarige Künstler mit 21 dann nach einem Ort suchte, um seine Musikkarriere voranzutreiben, musste er nicht lange überlegen. Und weil er gerne Hip-Hop hört und sowieso des Öfteren im MuseumsQuartier unterwegs war, führte kein Weg am "Café Leopold" vorbei.

Das war vor fünf Jahren. Mittlerweile ist der Wahlwiener nicht mehr nur Gast des Szene-Lokals inmitten des Leopoldmuseums, sondern tritt mit seiner fünfköpfigen Band Robb auch hier auf. So etwa an jenem Samstag, als der KURIER den Singer-Songwriter traf.

Mit der international besetzten Band Robb (der Name kam übrigens ganz spontan zustande und leitet sich aus Rob plus Band ab) bietet Summerfield seinen Gästen Alternative Soul. Musikalisch beeinflusst wurde er von der Heimatstadt seines Vaters, Chicago. Deshalb auch das Jazzgesang-Studium am Wiener Konservatorium. Während dieser Zeit lernte der Künstler übrigens auch die anderen Bandmitglieder kennen.

Lokale Fans

Fans hat er jedenfalls auch in Clubbetreiber Aaron Friesz und Booker Lukas Weber. Die beiden sorgen seit einigen Jahren dafür, dass die Gäste des Café Leopold am Wochenende mit aktueller, "hipper" Musik versorgt werden. Ganz alleine schaffen sie das natürlich nicht. Unterstützung kommt von einem Team an externen Beratern und Veranstaltern. Damit das weite Spektrum von Electro-Swing über Hip Hop bis zu Avantgarde-Futurebeats abgedeckt werden kann.

Einfach ist die Gratwanderung zwischen Perfektionismus und Pragmatismus dabei nicht immer. Auf der einen Seite sollen die auftretenden Acts schließlich genug Leute ins Lokal bringen, gleichzeitig muss sich das Leopold die Bands auch leisten können.

Ziel ist es also, junge, aufstrebende Künstler auf die Bühne zu holen. Die größte Herausforderung für Booker Lukas Weber besteht darin, Acts zu "erwischen", bevor sie zu populär (und damit zu teuer) werden – und bei ihrem nächsten Tourneebesuch vielleicht schon den Gasometer füllen. Aber für Musiker, die schon zu groß für die kleinen Lokale, aber noch zu klein für die großen Locations sind, gibt es in Wien derzeit nicht sehr viele Alternativen.

Konzertiert wird im Leopold im sogenannten Salon, einem Museumsraum. Und zwar kein ehemaliger, sondern ein aktiver. Für das Personal bedeutet das jedes Wochenende eine Menge Umbauarbeiten. Denn wo Freitag- oder Samstagnacht Partygäste tanzen, können Museumsbesucher ein paar Stunden später Bücher erwerben.

Für Beleuchtung im Salon Leopold sorgen bunte 360 Grad Visuals. Die von Visualisten live und passend zum musikalischen Programm gespielt werden.

Kompromisse

Auch die Musiker müssen durch die besonderen Gegebenheiten ein paar Kompromisse eingehen. So gibt es weder einen Backstage-Bereich noch eine eigene Künstler-Toilette. Wohl fühlen sich die Künstler jedenfalls trotzdem, sagt Lukas Weber. Vor allem internationale Gäste würden den fehlenden Luxus ob des außergewöhnlichen Rahmens, nämlich in einem Museum spielen zu können, gerne in Kauf nehmen.

Ein Umstand, der übrigens nur aufgrund der guten Zusammenarbeit von Museum und Cafe möglich ist. Grund für den Vorstoß der Partygäste ins Museumsinnere waren die Anrainer, die man nicht bis sechs Uhr morgens mit Lärm belästigen wollte.

Über Gästezahlen kann sich das Leopold jedenfalls nicht beklagen. Als die Band gegen Mitternacht die Bühne des Leopold betritt, ist der Publikumsbereich bestens gefüllt. Das ist zwar nicht der einzige Grund, warum Robert Summerfield die kommenden Jahre im "schönen Wien" verbringen will. Aber das Leopold trägt schon seinen Teil dazu bei. Künftig wird er hier nämlich auch in (musikalisch-)beratender Funktion tätig sein.

Fakten Café Leopold

Angebot Großteils leichte Küche, viele vegetarische Gerichte, saisonal (Eierschwammerlschmarren). Getränkesortiment reicht von Kaffee (Alt Wien), über Longdrinks bis zu Cocktails.

Preise Speisen und Getränke sind normalpreisig (z. B. Falafelteller 8,90 €, Spritzer 2,70 €). Eintrittspreise im Club: meistens 10 Euro.

Ambiente Bequem, gemütlich, stylisch. Raucherbereich in der Glasbrücke.

Publikum Untertags bunt gemischt: Geschäftsleute, Touristen und Studenten; abends jünger.

Highlights im Oktober

Swing Sunday, 19.10.
Jeden zweiten Sonntag zieht es die Wiener Swingtänzer zum „Swing Sunday“. Organisiert wird das Event vom Verein „Some like it hot“.

Betty Ford Boys, 25.10.
Das Triumvirat Brenk Sinatra, Dex- ter & Suff Daddy gibt sein Können zum Besten – mit neuem Album.

20 Jahre Hip-Hop, 31.10.

Die Wiener Produzenten „Waxolutionists“ spielen zu Halloween die Highlights ihrer Alben.

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