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Treffpunkt Wien
06/14/2016

Cafe Florianihof: Karotte-Kokos für die Komik

Vor der Arbeit am neuen Stück "Küss die Hand" stärkt sich Viktor Gernot gern im Cafe Florianihof.

von Anna-Maria Bauer, Jeff Mangione

Beim Anblick der sonnengebräunten Arme und der kleinen Umhängetasche könnte man Viktor Gernot glatt für einen Urlauber halten. Gut, dass er ein T-Shirt mit dem Aufdruck "I am not a tourist" trägt, um Verwirrung vorzubeugen. Tatsächlich kommt die Bräune übrigens vom Rasenmähen und Tennis spielen.

Zweiteres übt er gerne mit jenem Mann aus, zu dem er sich nun an die Bar im Cafe Florianihof setzt: Markus Rühl. Kennengelernt haben sich Gernot und Rühl Ende der 80er im Roten Engel – zu einer Zeit, als beide gerade ihre Karriere starteten: Gernot gab mit seiner Band erste Konzerte; Rühl war Kellner. 25 Jahre später hat der Künstler 4000 Vorstellungen – mit Band, als Kabarettist oder in Musicals – absolviert. Und der Gastronom ist Chef des Florianihofs, dem lichten und freundlichen Kaffeehaus in der Florianigasse 45.

Kein Kaffeehaussterben

Übernommen hat Rühl das Lokal 1999, als es gerade leer stand, die Holzvertäfelung noch schwarz war und die Vorhänge dick und schwer vor den hohen Fenstern hingen. "Damals redeten alle vom Kaffeehaussterben. Da hat es mich gereizt, das Gegenteil zu beweisen."

Sein Vorhaben ging auf. Auch wenn es natürlich Höhen und Tiefen gab – jetzt geht das Cafe gut, ist in ganz Wien bekannt und für viele Josefstädter ein Stammlokal. Die Küche ist österreichisch-modern, der Kaffee von Illy und von der großen Frühstückskarte kann man werktags bis 11.30 Uhr und am Wochenende bis 14 Uhr wählen.

Gerade das späte Frühstück schätzt Viktor Gernot im Florianihof besonders. Oft kann er es sich derzeit trotzdem nicht gönnen: Nach 31 Jahren zog er von der Bundeshauptstadt an einen ruhigeren Ort: ins südliche Niederösterreich.

Seit seiner siebenmonatigen Auszeit vor drei Jahren versucht er sich nämlich mehr Ruhephasen zu verordnen. "Früher war ich manisch. Heute zwinge ich mich dazu, hin und wieder nichts zu machen – auch wenn ich noch oft daran scheitere", sagt Gernot, als Rühl zum Tisch kommt und fragt, ob er Hunger habe.

Österreichische Küche

Viktor Gernot entscheidet sich für eine Karotten-Kokos-Suppe. "Ich liebe die österreichische Küche, aber immer Schinkenfleckerl geht sich nicht aus." Verschmitzter Nachsatz: "Weil ich mich entschlossen habe, nicht als lustiger Dicker mein Geld zu verdienen."

Apropos Geld verdienen. Derzeit befindet sich Gernot im Schaffensprozess für ein Stück, das im September Premiere feiert: "Küss‘ die Hand" mit Monika Gruber. Da kommt ein Zweierteam voller Gegensätze zusammen: Bayern und Österreich, Frau und Mann, Provokation und Beschwichtigung, ungezügelte Emotionen und verzweifelte Kontrollversuche.

Was braucht es, um die beiden zusammenzuhalten? Einen gemeinsamen Feind. Den gibt es praktischerweise, die Preußen. Gernot ergänzt: "Das Schöne bei Kabarett-Partnern ist ja: Man arbeitet intensiv zusammen, man schreibt, probt, und spielt – und dann kann man sehr gut einige Zeit ohne den anderen auskommen. Vielleicht wäre das ein gutes Rezept für Beziehungen."

Stoff für ihr Stück hätten sie jedenfalls genug. "Wahrscheinlich könnten wir ein dreieinhalbstündiges Programm füllen", meint Gernot. Aber das ist wie beim Essen – was zu viel ist, kann man einpacken und aufheben. Vielleicht für eine Fortsetzung des Duos? Oder gar einen Dreier mit Michael Niavarani?

Kaffee, Kabarett und Wiener Schmäh

Cafe Florianihof

Helles, freundliches Kaffeehaus mit klassischen Speisen (überbackene Bein-Schinken-Fleckerl, 8,90€, Paprikahenderl 9,20€ oder Melanzani-Eintopf, 8,70€), großer Frühstückskarte Illy-Kaffee und ausgewählten Longdrinks. Schanigarten und großer Nichtraucher-Bereich.

Wiener Kabarettfestival

Das Festival findet von 25. bis 30. Juli – u.a. mit Viktor Gernot – im Arkadenhof des Rathauses statt. www.wienerkabarettfestival.at

Küss’ die Hand

Viktor Gernot spielt mit Monika Gruber. Premiere ist im September.

Mehr Infos zu den Terminen von Viktor Gernot finden Sie hier.

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