"Buntes Pflaster auf alter Wunde"

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Foto: /SPÖ Wien Frauenstadträtin Sandra Frauenberger: „Wien ist DIE Stadt für Frauen“.

Wien. Die neue Frauen-Kampagne der SPÖ sorgt nicht nur für gute Stimmung.


In einer neuen Kampagne will die Wiener SPÖ darüber informieren, "was Frauenpolitik für die Frauen in Wien bedeutet". Genannt werden Themen wie der Gratiskindergarten, Chancengerechtigkeit in der Stadt und ein Aktionstag am 3. März. Das dazugehörende Plakat zeigt die Stadträtinnen Renate Brauner, Sonja Wehsely, Sandra Frauenberger und Ulli Sima in Beatles-Manier, als würden sie über die Abbey Road spazieren. Als Wortspiel mit den englischen "vibes" (Stimmung, Anm.) heißt es: "Good Weibs für Wien".

Vor allem in den sozialen Netzwerken hat die Beatles-Nachahmung und die Verwendung des Wortes "Weib" für Gesprächsstoff gesorgt. Gabi Gerbasits, Geschäftsführerin der IG Kultur, vergleicht die Kampagne "mit einem bunten Pflaster auf einer hundert Jahre alten Wunde".

Auffallen und gefallen

Kommunikations- und Marketingpsychologe Josef Sawetz hat sich das Sujet näher angesehen: "Damit eine Werbung in dieser Zeit der Informationsüberforderung erfolgreich ist, muss sie zwei Ziele erreichen: Auffallen und gefallen." Das gelte für Markenartikel wie für politische Parteien. Um das zu erreichen, werden Regeln gebrochen. Aber wenn man sich zu sehr verrenkt, läuft man Gefahr, nicht mehr zu gefallen.

"Das erste Ziel wurde mit dieser Kampagne jedenfalls erreicht", sagt Sawetz. "Das Bild fällt auf und sorgt für Gesprächsstoff." Aber gefällt es auch? Hier teilt sich das Publikum laut Sawetz in zwei Gruppen: In jene, die die Anspielung auf das Beatles-Album sowie das Wortspiel verstehen und in jene, die nichts damit anfangen können. Wenn man einen Witz nämlich nicht begreift, dann löst das meist negative Gefühle und innere Distanzierung aus. Übrig bleiben lediglich vier Frauen mit einer unverständlichen weil unmotivierten Körperhaltung, die über einen Zebrastreifen laufen und sich "Weib" nennen.

Vizebürgermeisterin Renate Brauner kann die Aufregung nicht nachvollziehen: "Wir wollten einfach auf witzige und unkonventionelle Art auf die Anliegen der Frauen hinweisen." Außerdem gebe es in der Frauenpolitik so viel wichtigere Themen: Zum Beispiel, dass Frauen weniger verdienen oder Frauenhäuser aufsuchen müssen. Brauner: "Ich fände es schön, wenn das zu ähnlichen Emotionen führen würde."

(kurier) Erstellt am
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