Chronik | Wien
23.11.2017

Bund mischt bei Häupl-Nachfolge mit

Im Duell um die Nachfolge des Bürgermeisters hat das parteiinterne Tauziehen längst begonnen.

Seit einer Woche ist fix: Neben Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bewirbt sich auch Klubobmann Andreas Schieder für das Amt des Wiener SPÖ-Parteichefs und Bürgermeisters. Sein Antritt dürfte im Hintergrund schon länger geplant sein. Zu eingespielt waren kurz nach der Bekanntgabe die Statements der Schieder-Unterstützer. "Es gibt auch noch Pläne für die nächsten Wochen", verrät ein gewichtiger Roter aus dem Schieder-Lager. Man könne sich auf die eine oder andere Überraschung einstellen, sagt er.

Bürgermeister Michael Häupl selbst betonte mehrfach, dass er beide Kandidaten für geeignet halte. Es werde aber jener Kandidat gewinnen, der die internen Streiterein am ehesten beilegen kann, sagte der Stadtchef. Da passt es, dass Schieder bei seiner Bekanntgabe das Einende in den Vordergrund stellte "Ich bin ein Kandidat von außen, ich habe schon die Auseinandersetzungen und Verletzungen in der Partei mitbekommen, habe aber damit nichts zu tun", sagte Schieder damals zum KURIER.

Unter den Schieder-Anhängern in der Partei geht man davon aus, dass der Bürgermeister den Klubobmann als seinen Nachfolger favorisiert. Dass er ihm im Laufe des internen Wahlkampfs auch öffentlich seine Unterstützung zusagt, ist aber fraglich. "Möglicherweise wartet Häupl ab, wie sich die Dynamik in den kommenden Wochen entwickelt. Vielleicht deklariert er sich erst dann, wenn es für Schieder notwendig sein wird", heißt es in Partei-Kreisen. Damit würde Häupl allerdings die internen Grabenkämpfe weiter verschärfen. "Ich denke, Häupl hat ein Interesse daran, dass der Parteitag harmonisch über die Bühne geht", formuliert es der Gemeinderat und Ludwig-Unterstützer Christian Deutsch.

Der Vorsprung von Ludwig sei jedenfalls bei weitem nicht so hoch, wie das zuletzt noch angenommen wurde, heißt es in Rathauskreisen. Auch Häupl wies zuletzt daraufhin, dass man "addieren können" müsse. Was das bedeutet? Auch in den stimmenreichen Flächenbezirken gibt es prominente Unterstützer Schieders, etwa Landtagspräsident Harry Kopietz. Auch die Gewerkschaft ist nicht geschlossen für Ludwig.

Rote Parlamentarier

Zudem sind die SPÖ-Abgeordneten aus dem Parlament über den Wiener Ausschuss stimmberechtigt. Naheliegend, dass die mehrheitlich ihrem Klubobmann Schieder die Stimme geben könnten. Offen ist noch, wie sich hochrangige Wiener Vertreter in der Bundespartei – wie etwa die Noch-Minister Pamela Rendi-Wagner oder Thomas Drozda – verhalten werden. "Sollten sie sich offen für einen Kandidaten deklarieren, ist das ein starkes Zeichen dafür, dass sie künftig auch seinem Team angehören werden", sagt ein Funktionär. Er kann sich vorstellen, dass sich möglicherweise der interimistische Bundesgeschäftsführer Christoph Matznetter noch für Schieder outet. Und zwar aus einem sehr pragmatischen Grund: Wechselt Schieder vom Parlament in die Landespolitik, würde Matznetter nachrücken und so doch noch ein Mandat im Nationalrat bekommen. "Dann würde er als Geschäftsführer wesentlich fester im Sattel sitzen", sagt der Funktionär.

Wo Kern steht

Nicht zuletzt der Bundeskanzler Christian Kern spricht sich unter engen Freunden für Schieder aus. "Er würde das nie offiziell sagen, aber er steht klar hinter Schieder", sagt ein hoher roter Funktionär. "Er hat schon Doskozil (unterstützt Ludwig, Anm.) im Burgenland. Noch so einen braucht er nicht." Auch sei Kern interne Kritik Ludwigs an seiner Oppositionsansage im Wahlkampf sauer aufgestoßen.