Anschlagserie gegen türkische Vereine

Buchhandlung und Kulturzentrum in Wien-Favoriten in Flammen. Kurdisches Büro beschädigt.

Die Bibliothek wurde zerstört. Das Kulturzentrum Atatürk nach dem Brandanschlag Brandanschlag in Favoriten Sachbeschädigung im kurdischen Informationsbüro

Der bereits dritte Anschlag gegen türkische Einrichtungen in Wien – im Zeitraum von zwei Wochen – war der massivste und gleichzeitig auch der gefährlichste.

Mittwochnacht explodierten gegen 3.30 Uhr im türkischen Migrantenverein „Atatürk Kulturzentrum“ in Wien-Favoriten mehrere Brandsätze. Die Täter schlugen Glasscheiben des Vereines auf dem Antonsplatz ein und warfen die explosiven Geschoße in die Räumlichkeiten. Zum Zeitpunkt des Anschlages befanden sich keine Personen in dem Vereinslokal. „Der Schaden ist beträchtlich. Vor allem unsere Bücherei mit 4000 Büchern und Zeitschriften ist großteils zerstört. Auch Einrichtung und Geräte, wie PCs und Kopierer sind kaputt“, erzählt der Obmann des Vereines, der Gefäßmediziner Murat Barlan, im KURIER-Telefonat mit merkbarer Wut im Bauch: „Egal wer verantwortlich ist, wir verurteilen diese unmenschliche Tat und wir verlangen eine rasche und lückenlose Aufklärung.“

türkischer Verein, Anschlag, Brandbombe, Nachhilfe… Foto: Privat Im Kulturzentrum wurden lernschwache Kinder unterstützt Verdachtsmomente hat der Spitzenmediziner mit türkischen Wurzeln keine: „Unser Verein forciert die Integration in der Gesellschaft dieses Landes. Bei uns geben etwa österreichische Lehrer, die bereits in Pension sind, Nachhilfeunterricht für lernschwächere Kinder. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wer so etwas macht.“

Jedoch gab es bereits einmal eine Schmier-Attacke auf das Vereinslokal. Barlan: „Eine marxistische Gruppierung hinterließ auf unserer Fassade verschiedene Parolen. Dem haben wir aber keine große Bedeutung zugemessen.“

Ermittlungen

Der Wiener Verfassungsschutz nimmt jetzt zwei weitere Anschläge – in Zusammenhang mit dem aktuellen Fall – unter die Lupe. Vor allem der Anschlag auf eine türkische Buchhandlung, ebenfalls in Favoriten, trägt eine auffällig ähnliche Handschrift.

Nachrichtensperre

Die Exekutive hüllte sich Donnerstagabend beharrlich in Schweigen. Eine Polizeisprecherin: „Wir haben noch keine Ermittlungsansätze. Ob die Anschläge zusammenhängen, wird zurzeit geprüft.“ Diese Nachrichtensperre unterstreicht die Brisanz der Situation. Auch das Innenministerium war zu keiner Stellungnahme bereit.

Tatsache ist, dass die Sprengsatz-Übergriffe kurz nach der Exekution dreier weiblicher PKK-Mitglieder in Paris starteten.

Brandanschlag in Favoriten… Foto: Atatürk Kulturzentrum Nach dem Anschlag

Den entstandenen Schaden beziffert der Obmann des Vereines „Atatürk“ mit etwa 40.000 Euro, denn auch die Räume sind vollkommen verwüstet – obwohl die Wiener Feuerwehr die Flammen rasch löschen konnte.

„Besonders schlimm trifft dieser Angriff unsere Kinder und Jugendlichen. Denn jetzt müssen wir den Unterricht und alle anderen Aktivitäten auf lange Zeit unterbrechen“, spricht Mediziner Barlan von einem Angriff auf den Integrationswillen der türkischen Gemeinde in Wien. Der Namensgeber des Vereines, Mustafa Atatürk (Vater der Türken), gründete die moderne Türkei nach westlichem Vorbild.

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(kurier) Erstellt am