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Chronik Wien
12/05/2011

Brand in Kolpinghaus in Wien-Favoriten

Katastrophenalarm bei einem Brand in einem Seniorenheim: 49 Verletzte, vier Personen schweben in Lebensgefahr.

von Dominik Schreiber

Der Brand war verhältnismäßig klein, aber die Folgen - vor allem durch die hohe Rauchentwicklung - waren dramatisch. "Um 21.57 Uhr brach bei uns die Hölle aus", fasst es der Journalarzt der Wiener Rettung zusammen: Alarmstufe 2 für die Feuerwehr, der Katastrophenzug der Rettung rückte aus und rund 200 Mann standen im Einsatz.

Ursache war ein Zimmerbrand am Samstagabend im fünften Stock des Kolpingheims in der Maria-Rekker-Gasse 9 in Favoriten. Vermutlich eine Zigarette hatte das Feuer ausgelöst. Während diese Wohnung vollständig ausbrannte und der Inhaber schwerste Brandwunden erlitt, gab es vor allem in der darüberliegenden Bettenstation Schwierigkeiten bei der Evakuierung.

"Das Durchschnittsalter unserer Bewohner ist über 80 Jahre", erklärt Christine Leopold, Präsidentin von Kolping Österreich. In der Bettenstation liegen schon schwerere Fälle, teilweise dement. Sie mussten von den Feuerwehrmännern und Sanitätern ins Freie getragen werden.

"Vom Krieg gewöhnt"

Dass die ganz große Katastrophe am Ende verhindert wurde, ist dem Rauchmelder und dem raschen Eingreifen der Helfer zu verdanken. Bereits gegen 22.45 Uhr konnte "Brand aus" gegeben werden. "Ein Übergreifen auf das ganze Haus konnte so vermieden werden", sagt der Geschäftsführer Günther Schwegl. Besonders hervorstechend war für Pflegedienstleiterin Elisabeth Purth, dass die Senioren so ruhig blieben: "Bei einer jüngeren Generation wäre die Evakuierung schwieriger gewesen. Diese ist vom Krieg so etwas offenbar noch gewöhnt."

Für die Rettung, die mit 15 Fahrzeugen und dem Katastrophenzug angerückt war, gab es dennoch eine Menge zu tun. 49 Menschen mussten von den Ärzten versorgt werden, 19 wurden in umliegende Spitäler gebracht. Vier mussten auf die Intensivstation gebracht werden. "Bei allen ist der Zustand aber stabil", sagt Leopold.

Der fünfte und sechste Stock ist derzeit für Brandsachermittler gesperrt, die Senioren konnten aber im Haus untergebracht werden. Die Suche nach der exakten Ursache für das Feuer dürfte erst in den kommenden Tagen geklärt werden.

Im Kolpinghaus in Favoriten leben nach Angaben der Organisation rund 235 ältere und pflegebedürftige Menschen sowie rund 20 Mütter mit Kindern in einem eigenen Bereich ("MUKI"). Dieser war vom Brand nicht betroffen.