Chronik | Wien
09.01.2018

Bombe wurde "bislang nicht gefunden"

Beunruhigende Details aus der Terroranklage gegen Lorenz K.

Auf Seite 39 der Anklageschrift gegen den 18-jährigen Wiener Terrorverdächtigen Lorenz K. (der KURIER berichtete) steht ein beunruhigender Satz: "Die von Kevin T. entsorgte Bombe wurde von den deutschen Ermittlungsbehörden bislang nicht gefunden." Der 21-jährige Kevin T. ist ein mutmaßlicher Komplize des in Wien in U-Haft sitzenden Angeklagten, mit dem dieser in dessen Wohnung in Neuss bei Düsseldorf eine Nagelbombe hergestellt haben soll. Bevor sie zum Einsatz kommen konnte, wurde Lorenz K. im Dezember 2016 von deutschen Polizisten kurzzeitig festgenommen. Obwohl man auf seinem Handy Fotos der Bombe fand, konnte sich Lorenz K. herausreden und wies Kevin T. an, die Bombe verschwinden zu lassen. Bei einer späteren Hausdurchsuchung konnte sie nicht gefunden werden.

Die Pläne zum Bau der Bombe hatte Lorenz K. aus dem Internet, und er übermittelte sie auch "an eine unbestimmte Anzahl weiterer nicht mehr ausforschbarer in Österreich aufhältiger Personen", wie in der Anklageschrift steht.

Bis 15 Jahre Haft

Beim Terrorprozess gegen den von Wolfgang Blaschitz verteidigten 18-Jährigen wird es auch um Anstiftung zum Mord (Strafdrohung für den zur Tatzeit noch Jugendlichen: bis 15 Jahre Haft) gehen.

Lorenz K. räumte in Vernehmungen ein, einen 12-Jährigen aufgefordert zu haben, als IS-Selbstmordattentäter einen selbst hergestellten Sprengstoffgürtel auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zur Explosion zu bringen: "Ich sagte ihm: Denk an das Paradies, du wirst am jüngsten Tag deine Körperteile zu Allah bringen, die du geopfert hast." Der Anschlag gelang nicht.