Chronik | Wien 05.12.2011

Basketball-Talent droht Abschiebung

Denis lebt seit Jahren in Wien. Er spricht perfekt Deutsch und ist bestens integriert. Aber jetzt soll er abgeschoben werden.

Denis Vuckovic erinnert sich noch gut an jenen Tag vor knapp zwei Wochen, als ein schmaler Brief das Leben seines Vaters, seiner Schwester und schließlich das Leben des 14-Jährigen selbst aus den Fugen geraten ließ. Der Bescheid des österreichischen Asylgerichtshofs ließ keinen Zweifel offen: Denis' Familie muss Österreich binnen der nächsten 14 Tage verlassen. Der Familie droht die Abschiebung nach Serbien. Nach sieben Jahren Wartezeit wurde das Asylverfahren der Vuckovics negativ beschieden. Das berichtet die Wochenzeitung Falter.

Jetzt, einige Tage später, steht der Bursch im Hof seiner Schule, einem Oberstufenrealgymnasium für Leistungssportler im 14. Bezirk. Vor drei Monaten wurde er hier unter 150 Bewerbern ausgewählt. Er gilt als großes Basketball-Talent. Denis sagt: "Wir führen ein ganz normales Leben hier."

Schüler sind entsetzt

Sein Vater, ein politischer Flüchtling aus Serbien, stellte im Juli 2004 einen Asylantrag in Österreich. Die Antwort der Erstbehörde kam rasch und war negativ. Die Familie berief und sollte fortan sieben Jahre auf eine Entscheidung warten. In der Zwischenzeit lernten die Kinder Deutsch. Der Vater arbeitete geringfügig, wollte kein Geld vom Staat, "um niemandem auf der Tasche zu liegen", wie er sagt. Schüler und Lehrer haben nun begonnen, Unterschriften für die Familie zu sammeln. Robert Parma, Direktor von Denis' Schule, kontaktierte den Stadtschulrat und schließlich sogar Ministerbüros. "Diese Entscheidung ist nicht nachvollziehbar", sagt er. "Denis ist bestens integriert." Der Verein, in dem er trainiert, protestiert ebenfalls: "Er ist einer der talentiertesten und besten Spieler, die in seiner Altersklasse spielen", heißt es.

Der Fall Vuckovic ist ein Fall, wie es sie im vergangenen Jahr oft gab. Das Schicksal der Familie erinnert auch an jenes der beiden Komani-Zwillinge. Die beiden achtjährigen Mädchen wurden im Vorjahr von der Fremdenpolizei frühmorgens aus dem Bett gezerrt und abgeführt.

7000 Altverfahren

Das Problem, das hinter den meisten dieser Fälle steht: Noch immer gibt es einen Rückstau bei Asylverfahren, der aus den Jahren 2000 bis 2005 herrührt. 7000 sogenannte Altverfahren aus dieser Zeit müssen von Beamten heute mühevoll abgearbeitet werden. Jahre, die Familien wie die Vuckovics dazu nutzten, sich eine Existenz in Österreich aufzubauen.

Im Innenministerium heißt es nun dennoch: "Der vorliegende Bescheid ist rechtskräftig." Der Anwalt der Familie kämpft nun um eine Wiedereinsetzung des Verfahrens. "Doch eine Abschiebung wäre rechtlich jederzeit möglich", sagt er.

Denis seufzt. "Ich spreche fließend Deutsch, kann aber nur schlecht Serbisch. " Als die Schulglocke läutet, verabschiedet er sich rasch. "Ich muss jetzt gehen. Ich möchte keine Probleme bekommen."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011