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Prozess in Wien
06/24/2014

Baby geschüttelt: Ein Jahr Haft für Vater

Strafe von insgesamt drei Jahren, davon zwei Jahre bedingt - Kind schwoll plötzlich Kopf an.

Ein 35-jähriger vierfacher Familienvater ist Dienstagnachmittag wegen des Quälens und Vernachlässigens einer unmündigen oder wehrlosen Person zu drei Jahren, davon ein Jahr unbedingter Haft verurteilt worden. Der Wiener hatte kurz nach der Geburt seines Sohnes das Kind so heftig geschüttelt, dass der Bub mit schweren Dauerfolgen zu rechnen hat. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die genauen Hintergründe der Tat liegen im Dunkeln. Der Vater entschlug sich bei der Verhandlung, die von Richter Wolfgang Etl geführt wurde, der Aussage. "Ich will nicht darüber reden. Ich weiß, was ich getan habe", erklärte der 35-jährige mittlerweile Obdachlose, der vor elf Wochen erneut Vater wurde. "Was sagen Sie zu den Anschuldigungen?", fragte Etl. "Ich hab' keinen Kontakt, also was soll ich tun", meinte der Angeklagte lapidar. Auch die Mutter des Kindes wollte zu dem Vorfall keine Aussage machen. Das Kind lebt mittlerweile bei Pflegeeltern.

Massive Gehirnverletzungen

Der damals drei Monate alte Bub wurde im Jänner 2012 ins Spital gebracht, weil sein Kopf immer mehr anschwoll. Im Krankenhaus wurden erhebliche Verletzungen des Gehirns festgestellt, die laut medizinischem Gerichtsgutachter Günther Bernert noch immer nicht überwunden sind. Mittlerweile wurde der fast dreijährige Bub mehrfach operiert. Mittels Shunt versucht man seit Monaten, den Hydrocephalus (Wasserkopf, Anm.) in den Griff zu bekommen und die überschüssige Flüssigkeit des Gehirns in andere Körperteile abzuleiten. Die Ableitung in den Bauchraum hatte allerdings eine Zyste zur Folge, die schmerzhafte Operationen mit sich führte, so der Gutachter.

Die Möglichkeit, dass das Kind später eine Epilepsie entwickle, sei nicht ausgeschlossen, erklärte der Gutachter. Weitere spätere Schäden könnten aufgrund des jungen Alters noch nicht festgestellt werden. "Vom Wesen her ist er ein schwieriges Kind", was aufgrund der Vorgeschichte und durch die vielen Spitalsaufenthalte verursacht worden sei, sagte Bernert.

Baby mehrere Male geschüttelt

In einem früheren Gutachten stellte Gerichtsmedizinerin Elisabeth Friedrich ein sogenanntes Shaking Baby Syndrom fest, das heißt, das Kind wurde nicht nur einmal, sondern zwei bzw. bis zu drei Mal heftig geschüttelt. "Dem stimme ich zu", sagte am Dienstag auch Bernert. Es sei plausibel, dass "die letzte Schädigung die massivste war". Diese soll rund um Weihnachten 2011 passiert sein.

Dem Kind wurde ein Schmerzengeldanteil von 22.200 Euro zugesprochen. Zudem haftet der Vater auch für körperliche Spätfolgen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während der 35-Jährige auf Rechtsmittel verzichtete, gab die Staatsanwältin keine Erklärung ab.

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