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Chronik Wien
12/05/2011

Autoritär, gewalttätig, aber kein Missbrauch

Einige Erzieherinnen waren damals selbst über die "militanten Erziehungsmethoden" entsetzt.

Zwei Erzieherinnen, die in den frühen 1970er-Jahren im Heim im Schloss Wilhelminenberg tätig waren, haben keine sexuellen Übergriffe auf Zöglinge bemerkt. "Das kann ich mir nicht vorstellen", sagte die heute 72-jährige Gerti. "Ich war aber entsetzt über die militanten Erziehungsmethoden dort. Zweierreihen und gemachte Betten waren wichtiger als das Kind. Das hat mir das Herz gebrochen."

Auch ihre damalige Kollegin Anni hat von sexuellem Missbrauch nichts mitbekommen. "Die Häuser wurden autoritär geführt, ja, Gewalt hat es gegeben." Besonders zwei Erzieherinnen wurden von den beiden als "Ausnahme-Erzieherinnen" bezeichnet, darunter auch Schwester Linda. Die hätten schon eine "Tachtel" verteilt oder die Hausschuhe nach Kindern geschmissen.

Sexuelle Übergriffe hätten Anni und Gerti jedoch sofort gemeldet, versichern sie. Die Mädchen in dem Heim am Wilhelminenberg - bis 1972 war es eine Unterkunft nur für weibliche Zöglinge - hätten ihnen auch nichts erzählt. "Und ich traue mich schon sagen, dass ich eine gute Beziehung zu den Kindern hatte." Auch nach ihrer Tätigkeit hätte sie zu einigen lange Kontakt gehabt.

Für die Übergriffe hätte jemand die Tore des Schlosses aufsperren müssen, da das Gebäude über Nacht ja abgesperrt war, sagt Gerti. Es habe nämlich Probleme mit Zuhältern gegeben, die vor den Türen oder im nahen Lokal auf die Insassen warteten. Die jungen Frauen liefen oft davon, landeten meist auf dem Strich in Wien, ehe sie von Polizei oder Jugendamt aufgegriffen wurden.

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