Bei Gablitz im Wienerwald wurde im Frühjahr 2012 die zerteilte Leiche des 59-jährigen Autohändlers Milenko M. gefunden, die Spuren führten zum Angeklagten.

© Stamberg Helmut

Mordprozess
02/13/2013

Autohändler erschlagen und zerteilt

Der Leiche fehlen die Beine. Im Prozess werden unbekannte Täter aufgetischt.

von Ricardo Peyerl

Was ist das nur in Österreich mit den sprichwörtlichen Leichen im Keller? Ein Vater zeugte mit seiner Tochter sechs Kinder, von denen eines starb; eine Eissalon-Betreiberin betonierte zwei zersägte Männer ein; und der 62-jährige Jozef Ersek soll im Keller seinen besten Freund mit einem Vorschlaghammer erschlagen und so zerteilt haben, dass die Leiche in den Kofferraum passte.

Einige Wochen später machte ein Spaziergänger im Wienerwald den grausigen Fund, die Beine des 59-jährigen Milenko M. sind bis heute verschwunden. Die Indizien deuten auf den ungarisch sprechenden Serben Jozef Ersek, der den Mordvorwurf von sich weist. In seinem Keller fand man Blut des Opfers, allerdings zu wenig, als dass es vom Abtrennen der Beine stammen könnte. Am Seil, mit der die halbe Leiche verschnürt war, fand man DNA vom Angeklagten, allerdings nur an einer Stelle. Hätte er die Leiche verpackt, müsste dann nicht überall seine DNA zu finden sein? Den Rechnungszettel für die Plastikplane, in der die Leiche verpackt war, fand man auch noch bei Ersek. Und: Zwei Wochen vor Entdeckung derselben soll Ersek seiner Freundin erzählt haben, er habe den toten Freund identifizieren müssen, wie schrecklich, wo dem doch die Beine fehlen. Woher wusste Ersek das zu dem Zeitpunkt, wenn er nicht der Mörder war?

„Und das soll ich gesagt haben?“, fragt Ersek am Mittwoch beim Mordprozess im Wiener Landesgericht. Seine Verteidigerin Eva Maria Barki meint, die „unglaublich bestialische Hinrichtung“ passe nicht zum Angeklagten. Die Witwe des Opfers kontert, ihr Mann habe Ersek stets als jähzornig beschrieben.

Muskulöse Männer

Zur endgültigen Verwirrung tischt Ersek eine ganz neue Version auf, gegen welche die Agentenparodie des ehemaligen Innenministers Ernst Strasser direkt noch realistisch wirkt: Autohändler Milenko M. sei am 30. März 2012 mit zwei unbekannten Schwarzafrikanern – „muskulösen Männern“ – bei ihm aufgetaucht, die Gebrauchtwagen hätten kaufen wollen. M. habe sich Werkzeug ausborgen wollen. Er habe den Freund samt einem Fremden in den Keller begleitet und seine Werkzeugkiste offeriert, sei zurück in seine Wohnung, wo der andere Fremde gewartet habe. Dieser habe ihn zu Boden geschlagen, ihm die Hände mit einem Draht gefesselt, ihn mit einem Messer geschnitten und ihm eine Pistole in den Mund geschoben.

Bei dieser abenteuerlichen Schilderung packt der Angeklagte immer neue Spuren des angeblichen Überfalls aus: Schnittwunden am Arm und am Rücken, ein Riss in der Mundhöhle, ein Knoten am Kopf. Richterin Susanne Lehr bittet Gerichtsmediziner Wolfgang Denk, die Narben zu begutachten. „Vielleicht kommt ja noch was?“, gibt Denk zu bedenken. Tatsächlich: Ersek kann auch noch mit abgebrochenen Zähnen dienen. Warum er damit erst jetzt kommt, wird er gefragt. Schock und Angst ist die Erklärung. Nach seiner Befreiung, als der Freund und die muskulösen Männer weg waren, sei hinterm Scheibenwischer ein Zettel gesteckt, mit der Botschaft: du bist tot.

Das Urteil stand aus.