Eine Airbnb-Wohnung in der Annagasse ist bei Touristen sehr beliebt.

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Wien
08/07/2016

Authentischer Urlaub bei Einheimischen? "Es ist mehr wie ein Mini-Hostel"

Wirtschaftskammer kritisiert fehlende Transparenz bei Angeboten auf Sharing-Portalen.

von Anna-Maria Bauer

Erlebe einen Ort, als ob du dort wohnen würdest. Die Internetplattform Airbnb wirbt mit authentischen und persönlichen Erlebnisse im "eigenen" Zuhause des Gastgebers. Und wie ein Sprecher betont, würden die meisten Anbieter genau solche Erfahrungen ermöglichen. Doch offenbar wird die Internetseite auch vermehrt von Betreibern professioneller Ferienwohnungen als Vermittlungsplattform verwendet.

Etwa in der Annagasse.

48 Euro für eine Nacht im Doppelzimmer einer Dachgeschoßwohnung, die sich nur zwei Geh-Minuten entfernt von der Kärntner Straße befindet. Kein Wunder, dass dieses Angebot äußerst beliebt ist. "Das Zimmer war großartig", "Ich hätte nicht glücklicher sein können" sind Auszüge der Kommentare. 573-mal ist diese Vermieterin von Gästen bereits bewertet worden, seit sie 2014 zur Plattform kam.

Unter anderem heißt es dort aber auch: "Es ist mehr wie ein Mini-Hostel mit fünf bis sieben Zimmern und zwei Badezimmern ... alles läuft sehr professionell ab .. Die Check-In-Zeiten sind sehr unflexibel. Ich denke, das ist deshalb, weil der Gastgeber eigentlich ein Hostel führt, worüber die Nachbarn aber nicht besonders glücklich sind."

Beim Lokalaugenschein trifft der KURIER tatsächlich auf einen Anrainer, der genervt darüber ist, dass "dauernd Menschen mit Koffern im Haus herumpoltern". Offiziell beschweren möchte er sich aber nicht, er möchte weder Scherereien machen noch welche bekommen.

Untermiete?

Von der Hausverwaltung heißt es dazu, dass "Untermiete bei uns zu 99,9 Prozent verboten" ist. Man werde die Mieterin auch nächstens darüber informieren.

Die Anbieterin schreibt in einer Stellungnahme: "Ich bin sehr gut rechtlich informiert. Mein Hauseigentümer ist damit einverstanden, ich zahle Steuern, Tourismus-Taxen und meine Gäste füllen die Gästeblätter aus."

Gewerbeschein liegt laut Wirtschaftskammer für diesen Standort keiner vor. Wenn es nicht mehr als zehn Betten gibt und außer Handtüchern, Bettzeug und einer Endreinigung nichts bereitgestellt wird, ist das allerdings auch nicht notwendig.

In der Wirtschaftskammer verfolgt man die Entwicklung dieser Angebote dennoch kritisch. Andrea Steinleitner, Obfrau der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Wien, meint dazu: "Es geht uns einfach um die Transparenz: Werden die Auflagen eingehalten und die alle Abgaben geleistet; gibt es Mitarbeiter und werden diese korrekt bezahlt? Wir sind nicht gegen dieses neue Geschäftsmodell, aber es müssen für alle dieselben Regeln gelten."

Ein Airbnb-Sprecher sagt, man verbreite die Informationsbroschüre der Stadt Wien. Kontrollen dürfe die Plattform aber nicht durchführen. Die Stadt ist indes darum bemüht, Vermittler und Anbieter von Sharing-Plattformen mehr in die Pflicht zu nehmen.

Gesetzesänderung

Im Herbst soll eine Gesetzesänderung beschlossen werden. Damit soll etwa sichergestellt werden, dass die Ortstaxe abgeführt wird. Auch der Strafrahmen soll von bisher 420 auf stattliche 2100 Euro erhöht werden.

Angebote in Wien In Wien gab es mit Stand Ende Juli auf der Internetplattform Airbnb mehr als 7000 Inserate. Dazu kommen von wimdu und 9flats noch einmal etwa 1000 beziehungsweise 700 Unterkünfte dazu.

Gesetzesnovelle Die Stadt Wien will die Vermieter, aber letztlich auch die Vermittler dieser Sharing-Plattformen in die Pflicht nehmen – Dazu wird das Tourismusförderungsgesetz geändert. Auch der Strafrahmen wird von bisher 420 auf 21.000 Euro erhöht. Die Novelle ist derzeit in Begutachtung soll im Herbst beschlossen werden.