Chronik | Wien
08.11.2015

Auf einen Drink über den Dächern

Für einen Cocktail mit Blick über die Stadt geht Designerin Irina Hofer in das Hotel Sofitel.

Wenn Designerin Irina Hofer Besuch aus dem Ausland bekommt, geht sie ins Hotel Sofitel. Auch, wenn ihre Gäste dort gar nicht nächtigen. Denn im obersten Stockwerk der Luxusherberge befindet sich ein Restaurant, in dem man dank Rundum-Verglasung einen beeindruckenden Panoramablick über Wien genießt – das Loft. "Mitten in der Stadt sieht man die ganze Stadt", sagt Irina Hofer, als ihr der Kellner einen Whiskey reicht. "Das kenne ich sonst nur aus New York."

Von der Aussicht des Lokals bekommt Koch Fabian Günzel nicht so viel mit. Trotzdem möchte der 30-Jährige seinen Arbeitsplatz nicht tauschen. Mit Sternekoch Silvio Nickol ist der gebürtige Deutsche 2007 nach Wien gekommen. Vor zwei Wochen wurde er von Gault Millau zum Newcomer des Jahres gewählt.

Rochen oder Reh

Die Gerichte des gebürtigen Deutschen sind, passend zum New-York-Feeling des Lofts, kosmopolitisch. "Was soll ich als Deutscher mit Wiener Küche anfangen?", fragt Günzel. "Da lacht ihr mich doch aus. Das wäre nicht authentisch." Und so gibt es Wild ebenso wie Salzwasserfische, Schwarzwälderkirschtorte und das französische Baba au Rhum (Napfkuchen). Besonders oft bestellt werden derzeit der Oosterschelde-Hummer mit Zitronenrisotto und auch der Rochen.

In den Beruf als Koch ist Günzel "so reingerutscht". Als Kind hat er mehr aus Pflicht, denn als Freude gekocht; mittlerweile weiß er nichts, was er lieber tun würde. Auch wenn er seine Arbeitskollegen derzeit öfter sieht als seine Freundin. Und auch wenn die Wiener, wie Günzel meint, knallhart mit Köchen umgehen. Wenn sie das Gefühl hätten, es werde ihnen etwas vorgemacht, sei die Hütte wie leergefegt.

Schneidern statt lernen

Leergefegt ist das Loft keineswegs, als Irina Hofer es an diesem Abend besucht.

Wie Günzel wurde sie nicht in Wien geboren. Ursprünglich kommt sie aus Salzburg. Anders als Günzel war sich Irina Hofer jedoch schon in jungen Jahren bewusst, dass sie Designerin werden wollte. Eigentlich. Während der Zeit in der Modeschule überlegte sie es sich zuerst aber doch wieder anders. Die Routine hatte den Zauber irgendwie weggefegt und so entschied sie sich nach der Matura für ein Kunstgeschichte-Studium.

Doch die Leidenschaft ließ sich so schnell nicht abschütteln. Nach zwei Jahren begann es sie unter den Nägeln zu jucken. Anstatt für ihre Diplomprüfung zu lernen, schneiderte Hofer lieber ein Dirndl aus italienischer Seide. Es sollte das erste von vielen, vielen Kleidern sein. Roben, die an die Goldene Ära Hollywoods erinnern. Schmeichelnde Schnitte, weiblich, figurbetont.

Schon bald merkte sie, dass es genug Frauen gab, die sich für ihren Stil interessierten. Seit rund eineinhalb Jahren kann Irina Hofer von ihren Designs leben. Von der Ready-to-Wear-Mode, Kleidung von der Stange, der letzten Jahre möchte sie aber eigentlich weg, hin zur Brautmode und zu ausgefallenen Abendkleidern. Nicht, dass ihre Alltagskleidung nicht bereits ausgefallener wären, als viele Abendkleider in Wien.

Dass ihre Designs auffallen, wird auch bei diesem Restaurantbesuch offensichtlich. Als Irina Hofer das Kalbstartar serviert bekommt, tritt eine Frau an sie heran: "Ich wollte Ihnen nur kurz sagen, dass Sie ganz toll aussehen."

Das Loft

Essen

Kosmopolitische Küche. Zum Beispiel Rehrücken mit Spitzkohl, Himbeere und Kakaobruch oder Rochenflügel mit Birne, Radicchio und Gnocchi.

Trinken

Cocktails! Klassiker wie Old Fashioned oder Kreationen wie Aviation (Gin, Maraschino, Crème de Violette, Limette).

Preise

Höherpreisig. Ein Vier-Gang-Menü kostet 78 Euro. Eine Hauptspeise kommt auf rund 30 Euro; Kaffee mit drei Mini-Desserts macht 8,50 €.

Atmosphäre

Beeindruckender Ausblick über die Stadt. Mit Live- DJs und Events möchte man im Loft verstärkt Wiener
auf sich aufmerksam machen.