Chronik | Wien
14.10.2017

Anwalt lässt sich nicht "abmontieren"

Rechtsanwalt im Krieg mit der Stadt Wien: Er wirbt damit, dass er sie bekämpft

Seit neun Jahren hängt auf einem Lichtmast an der Kreuzung Auerspergstraße/Stadiongasse in Wien die 80 x 120 cm große Werbetafel des Rechtsanwalts Oliver Koch. "DER Anwalt" steht darauf, und ein Pfeil weist den Weg zu seiner Kanzlei, die sich gleich ums Eck in Rathausnähe befindet.

Koch hat den Lichtmast weder okkupiert noch zweckentfremdet, er hat sich nicht an fremdem Eigentum (der Stadt Wien) vergriffen, es gibt einen Vertrag mit der Werbefirma Gewista, die mit der Gemeinde Wien die Nutzung von Lichtmasten als Werbeträger geregelt hat. Koch zahlt für die Dauerwerbung halbjährlich 245,70 Euro inklusive Werbeabgabe.

Am 28. September 2017 musste der Anwalt auf dem Weg ins Büro feststellen, dass seine Tafel entfernt worden war und mit Bauschutt auf der daneben gelegenen Baustelle entsorgt wurde. Die für Ampeln, Uhren und Stadtbeleuchtung zuständige Magistratsabteilung (MA) 33 hatte die Lichtmasten auf dem Straßenzug erneuert, die Anwaltstafel aber nicht wieder angebracht. "Andere Tafeln wurden wieder montiert, zum Beispiel die Curryinsel, meine nicht", sagt Koch zum KURIER.

Ein zufälliges Versehen? Daran will Koch nicht so recht glauben, ist sein beruflicher Hauptgegner doch die Stadt Wien: "Ich bin Rekordhalter bei Klagen gegen die Stadt Wien und Spezialist für Krankenhauspfusch."

Koch, der für die Nutzung der Werbefläche auf dem Lichtmasten bereits im Voraus bis Jahresende bezahlt hatte, erfuhr vom Polier der Baustelle, dass die MA 33 die Tafel bereits zwei Tage zuvor bei Nacht und Nebel entfernt habe.

Der Anwalt beschwerte sich umgehend bei seinem Vertragspartner Gewista. "Aber die haben mich zehn Tage an der Nase herumgeführt", sagt Koch, dem schließlich der Kragen platzte: "Als Rechtsanwalt lässt man sich nicht abmontieren!" Zwar hängt die Tafel inzwischen wieder, aber die Rache des Advokaten war fürchterlich.

Gerichtsweg

Dass er beim Verwaltungsgericht Wien eine Maßnahmenbeschwerde gegen die Stadt Wien einbrachte, wäre noch das wenigste. Koch ließ ein neues Werbeplakat in doppelter Größe (80 x 240 cm) anfertigen und es zusätzlich zum alten Schild am Baustellengitter vor dem sogenannten Glaspalast von Architekt Harry Glück montieren, der abgerissen wird. Dort weist er nun darauf hin, dass er im "Kampf gegen die Gerechtigkeit auch gegen die Stadt Wien" kämpfe.

"Die Baufirma sagt, wenn die Gewista nichts dagegen hat, und die Gewista sagt, wenn die Baufirma nichts dagegen hat", sagt Koch und kündigt an: "Wenn das Plakat entfernt wird, folgt eine Verdreifachung der Fläche."