Friedrichs Decke stammt von einer Anrainerin – nach der Räumungsaktion helfen einige Nachbarn.

© KURIER/Jeff Mangione

Stadtpark
10/20/2013

Anrainer solidarisieren sich mit Obdachlosen

Vergangenen Dienstag wurden Schlafplätze von Wohnungslosen geräumt. Nachbarn zeigen Verbundenheit.

von Anna-Maria Bauer

Ich habe nix mehr – keine Schuhe, nur ein Paar Schlapfen.“ Versteckt unter ein paar Nadelbäumen, eingewickelt in eine Steppdecke, hat sich Friedrich sein notdürftiges Quartier eingerichtet.

In der Nacht auf vergangenen Dienstag wurden die Schlafplätze von obdachlosen Männern und Frauen im Stadtpark geräumt.

Acht Polizeiautos sind vorgefahren, erzählt Friedrich. „Gemma, los zusammenpacken, haben sie gerufen.“ Alles, was nicht getragen werden konnte, wurde mit Schaufeln aufgeklaubt. „Aber ich kann nicht gut gehen, ich habe zwei Krücken“, sagt Friedrich.

Den Serben Nikolic hat es noch schlimmer getroffen. „Ich besitze nichts mehr“, erzählt der Mann, der seit 25 Jahren in Wien lebt. Er wurde von der Polizei mitgenommen. „Ich habe noch gefragt, wann ich meine Sachen zusammenpacken kann. Die Polizisten meinten nur, das könne ich nachher machen. Aber nachher war alles weg.“

„Dabei haben wir uns mit den Polizisten immer gut verstanden“, erzählt Friedrich. „Auch mit Anrainern. Manche haben mit uns getratscht, andere Decken gebracht.“

Anrainer und Freunde zeigen nun Solidarität. Die Facebook-Gruppe „Die Obdachlosen aus dem Stadtpark sind auch meine Nachbarn“ hatte am Sonntagabend mehr als 2000 Likes. Auch Friedrichs bunte Steppdecke stammt von einer Nachbarin.

Laut Protokoll schritt die Polizei aufgrund von Anrainerprotesten ein. Der dauerhafte Aufenthalt verstoße gegen die Campierverordnung. Gerüchten zufolge habe sich Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (1.) vor der Aktion beim Fonds Soziales Wien nach der Situation im Park erkundigt. Offiziell wurde ein Zusammenhang des Bezirks mit der Aktion dementiert.

Die Zukunft ist ungewiss. Einige Obdachlose sind im Park verstreut, einige nicht wieder aufgetaucht. Friedrich: „Wir würden gerne zurück auf die Bänke.“

Alles beim Alten in der "neuen" Gruft

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