Chronik | Wien
27.04.2018

Wiener "Boxweltmeister" soll 88 Stoßzähne geschmuggelt haben

Prozess um Elfenbeinhandel und den Artenschutz: Wiener "mit Elefantenblut an seinen Händen".

Der angebliche Boxweltmeister im Mittelgewicht, Mohamed Buckla, schaut sich gerne die Stoßzähne von Elefanten an. Er drapiert sie in seiner Wiener Wohnung zu Bildern: „Ich genieße das.“

Der Staatsanwalt unterstellt Buckla Gier und sagt: „Er hat das Blut der Elefanten an seinen Händen!“ Mit Kettensägen werden den zu Boden gebrachten, noch lebenden Tieren die Zähne herausgeschnitten. Der Handel mit Elfenbein ist nach dem Artenschutzabkommen seit 1979 verboten (siehe Info unten).

Größter Aufgriff

Im November 2016 wurden bei Buckla 88 Stoßzähne mit einem Gewicht von 560 kg und einem Schwarzmarktwert von einer halben Millionen Euro entdeckt und sichergestellt. Es ist der größte Aufgriff in Österreich und zweitgrößte in Europa.

Buckla soll die daheim gebunkerten Stoßzähne geschmuggelt haben. Er schützte die Ware mit einer Sicherheitstür, so wertvoll ist sie. Seine Teppiche und orientalischen Möbel hat er in der Nachbarwohnung hinter einer ganz gewöhnlichen Tür gelagert. Zwei Jahre wurde gegen den in Kairo geborenen 67-Jährigen ermittelt. Einmal wurde er beobachtet, wie er auf dem Gelände des AKH, wo er als Masseur gearbeitet hatte, zwei Stoßzähne verkaufte.

1975 will Mohamed Buckla „in Afrika, nein, in Ägypten, in Kairo“, Weltmeister im Kampf gegen Jo Leyii geworden sein. Der österreichische Faustkampfverband behauptet, er sei nie Weltmeister geworden und habe den Gürtel auf dem Schwarzmarkt gekauft. Aber darum geht es am Freitag beim Prozess im Wiener Landesgericht nur am Rande.

Zum Elfenbeinhandel bekennt sich Buckla nicht schuldig. Zuerst verantwortete er sich damit, es handle sich bei den Zähnen um solche von Walrössern, (längst ausgestorbenen) Zwergmammuts und allenfalls Buschelefanten. Der Sachverständige, der die 150 cm langen Stoßzähne untersucht hat, kennt diese Gattung gar nicht und schließt im übrigen Walrösser und Mammuts aus. Jetzt erklärt Buckla, die Stoßzähne vor 1979 von einem inzwischen verstorbenen Ägypter für 80.000 Schilling gekauft, dann im Haus seiner Eltern in Strasshof, NÖ, gelagert und 1994 in seine Wohnung geschafft zu haben.

Die Tochter des Ägypters weiß nichts davon, dass ihr Vater jemals Elefantenzähne gehabt haben soll, aber Verteidiger Peter Philipp hat einen ehemaligen Arbeitskollegen des Toten aufzuweisen, der sehr wohl davon zu berichten wisse.

Die Richterin macht sich schon einmal auf mehrere Prozesstage gefasst.

Hintergrund: Staatsanwalt Bernhard Mascha erwies sich als Verfechter des Artenschutzes und profunder Kenner der Materie. Mit einer Powerpoint-Präsentation stellte er im Gerichtssaal dar, dass zwischen 2007 und 2015 110.000 Elefanten und damit 20 Prozent der Population getötet wurden. Sie werden erschossen, erschlagen, vergiftet. Inzwischen werden mehr Elefanten getötet als geboren. Die Wildartenkriminalität – „ein Verbrechen an der Natur“ – ist die viertgrößte Kriminaliätsgruppe weltweit.