Gürtelbrücke

© KURIER/Jeff Mangione

Baustopp
07/02/2013

Alpine-Pleite kostet Wien Millionen

Arbeiten an der Gürtelbrücke stehen still, der aufwendige „Rückbau“ dauert Monate.

von Michael Berger

Baustopp an heikler Stelle: Erstmals in der Geschichte des Wiener Straßenbaus muss ein Millionenprojekt gestoppt werden. Aber nicht nur das: Die seit 2012 von den Fundamenten aufwärts modernisierte Gürtel-Brücke muss bis Ende September aufwendig „rückgebaut“ werden. Denn zur Zeit ist in jede Fahrtrichtung nur eine Spur befahrbar. Verantwortlich für das Chaos rund um das 15,3 Millionen-Euro-Projekt ist die Mega-Pleite des Baukonzerns Alpine.

Die Arbeiten wurden vergangene Woche eingestellt. Auf der zwischen 1962 bis 1964 errichteten Spannbeton-Brücke war gestern, Dienstag, auch kein Arbeiter zu sehen. In der Wiener Stadtbaudirektion ist Feuer am Dach. Denn bis Schulbeginn muss der Brückenschlag vom 9. Bezirk nach Floridsdorf, in die Brigittenau und weiter nach Klosterneuburg wieder zweispurig befahrbar sein.

Rückbau der Brücke

„Wir gehen davon aus, dass der Masseverwalter bei dieser Baustelle keine Fortsetzungsmaßnahmen setzten wird. Es gibt aber noch keine definitive Entscheidung“, erklärt Wiens Stadtbaudirektorin Brigitte Jilka. Jetzt gilt es, für den Rückbau die Brückentragwerke zu sichern. Danach werden die Fahrbahnen betoniert. Das wird wohl bis Ende September dauern.

Diese Übergangslösung muss dann mindestens ein Jahr halten. Denn das baulich heikle Projekt – die marode Brücke quert die Franz-Josefs-Bahn, die U4 und den Donaukanal – geht in eine neue Ausschreibung. Und die kann der Stadt, also dem Steuerzahler, teuer kommen. Denn das Unternehmen Alpine war als Billigbieter bekannt. Kaum anzunehmen, dass andere Baukonzerne zum identen Preis den Auftrag übernehmen.

Teure Alpine-Pleite

Stadtbaudirektorin Jilka versucht gleich gar nicht zu beschönigen: „Natürlich hängt die Kostengestaltung auch von den Auftragslagen der diversen Firmen ab. Aber die Tendenz geht dorthin, dass das Projekt teurer wird.“ Nachsatz: „Der allgemeine Wunsch, die Sanierung an den ehemaligen Zweitbieter zu übergeben, ist nicht zulässig. Eine Ausschreibung ist gesetzlich vorgeschrieben.“

Auch im Büro von Verkehrsstadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sorgt der Baustopp für Nervosität: „Aus jetziger Sicht können wir über eventuelle Mehrkosten nur spekulieren. Man muss sich über mögliche finanzielle Konsequenzen aber im Klaren sein.“

Bis dato sind von der Alpine etwa 20 Prozent der Arbeiten erledigt. Alleine der Rückbau wird die eine oder andere Million kosten. Doch der Baustopp und die Neuausschreibung verzögern die Arbeiten um mindestens ein Jahr. Das Großprojekt hätte mit allen Bauphasen 2015 abgeschlossen sein sollen. Die Dauerbaustelle Gürtelbrücke bleibt dem Wiener Autofahrer also bis 2016 erhalten.

Folge-Aufträge und Folge-Pleiten

Keine großen Auswirkungen soll die Alpine-Pleite auf Baustellen auf Österreichs Autobahnen haben. Die ASFiNAG führt bei ehemaligen Alpine-Baustellen, wo notwendig, „Sofortmaßnahmen“ durch. Lediglich Arbeiten an der Inntalautobahn und der Tauernautobahn werden neu ausgeschrieben und im Herbst fortgesetzt.

Ein Aufatmen dürfte es auf einigen Baustellen in Oberösterreich geben: Das Insolvenzgericht hat nun die teilweise Übernahme durch Habau durchgewunken – etwa 820 Mitarbeiter im Straßen- und Hochbau dürften von der Perger Firma übernommen werden. „Wir sind derzeit mit der Habau unterwegs und klären die Details der Übernahme. Wenn die Auftraggeber zustimmen, dürfte es dort zu keinen größeren Verzögerungen kommen“, berichtet Josef Mayrhofer, Leiter der oö. Alpine-Niederlassung. So könne u. a. der Bau des Taborknotens in Steyr fortgesetzt werden. Offen ist, wie mit dem Containerterminal der Linz AG im Hafen verfahren wird. Bei dem Sechs-Millionen-Auftrag will Habau einspringen.

Insolvenz

Am Dienstagnachmittag wurde die nächste Insolvenz nach der Alpine-Pleite bekannt. Die Firma Reitermayer GmbH aus Stockerau (NÖ) hat am Landesgericht Korneuburg den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens gestellt. Laut Österreichischen Verband Creditreform ist die Firma mit 15 Arbeitnehmern mit rund 300.000 Euro überschuldet, soll aber fortgeführt werden.

Vom Sog der Alpine-Pleite ist am Rande auch die Firma Mokesch Bau- und Zimmermeister GmbH mit Sitz in Gmünd, NÖ, betroffen. Dienstagvormittag wurde die Eröffnung eines Konkursverfahrens am Landesgericht Krems beantragt, sagt Gerhard Weinhofer vom Creditreform-Verband. Die Schulden betragen – exklusive Lieferanten-Verbindlichkeiten – rund sechs Millionen Euro. Fast 120 Mitarbeiter sind betroffen. Das Unternehmen soll zumindest kurzfristig fortgeführt werden.

7.000 Wiener Haushalte ohne Strom

.Der Wiener Baustellensommer dürfte auch für einen der beiden Stromausfälle von Dienstagfrüh verantwortlich sein.
Gegen fünf Uhr traf es zuerst 5000 Haushalte in Teilen der Bezirke Döbling, Hernals und Währing. Auslöser war ein Defekt an vier 10.000-Volt-Kabeln. Tausende Wohnungen und Geschäfte hatten über Stunden keinen „Saft“. Der erste Defekt war gegen 8.30 Uhr behoben. „Es fielen leider auch zehn Ampeln aus“, erklärte Christian Ammer, Sprecher von Wien Energie.

Kaum glaubten die Techniker des Energie-Anbieters, die Versorgung im Griff zu haben, folgte der nächste Blackout. Von 8.30 bis etwa 10 Uhr waren plötzlich 2000 Haushalte auf dem Alsergrund ohne Strom. „Dieser Ausfall hatte allerdings mit dem ersten Gebrechen nichts zu tun. Die Suche nach dem Problem läuft“, erklärte Ammer noch am Vormittag.

Schließlich vermuteten die Techniker den Grund für den zweiten flächendeckenden Stromausfall gefunden zu haben. Wien-Energie-Sprecher Ammer formulierte den Verdacht höflich: „Der größte Feind der Stromversorgung sind Großbaustellen, und in erster Linie sind Bagger gefährlich.“

Die wühlten sich zum Zeitpunkt des Blackouts bei der Wasserrohr-Verlegung am äußeren Währinger Gürtel gerade durch das Erdreich. Diese Baustelle sorgte auch noch in zweiter Hinsicht am Dienstag für jede Menge Ärger unter den Autofahrern.

Denn auf Höhe des AKH stand plötzlich nur mehr ein Fahrstreifen zur Verfügung. Auf Anfrage des KURIER erklärte Bernhard Engleder, Chef der MA 46 (Verkehrsorganisation) dazu: „Die Einspur-Variante auf den Gürtel-Abschnitten mit Baustellen ist nur in der Nacht ab 22 Uhr aufrecht.“ Somit dürften die Arbeiter am Dienstag diese Weisung einfach ignoriert haben.

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