Chronik | Wien
13.04.2017

Aktion scharf gegen Bettler zu Ostern

Strafen: Betroffener soll 3240 Euro zahlen.

Es ist nicht das erste Mal, dass zu den Feiertagen die Bettler speziell ins Visier der Behörden geraten: Seit Beginn der Woche läuft in Wien eine Aktion scharf – organisiert und koordiniert vom Büro für Sofortmaßnahmen der Stadt Wien. Denn speziell zur Osterzeit kommen viele Touristen – und sie sollen sich nicht durch bettelnde Personen gestört fühlen.

Das führt durchaus zu skurrilen Auswüchsen, wie die Bettellobby (Netzwerk gegen Bettelverbote, Anm.) berichtet. So bekam ein bulgarischer Bettler am Dienstag einen Stapel Strafverfügungen ausgehändigt. 3240 Euro soll der 75-Jährige bezahlen, weil er die Stiege in einer U-Bahn-Station verstellt oder versperrt haben soll. Oder er muss 23 Tage ins Gefängnis. "Ein ähnlicher Fall von einer Bettlerin wurde uns am Dienstag gemeldet. Die Frau soll 560 Euro zahlen", berichtet eine Vertreterin der Bettellobby. "Dabei sitzt sie nur ganz am Rand eines U-Bahn-Aufganges und stört niemanden."

Die Maßnahme der Stadt hat Wirkung gezeigt. Bettler berichten, dass einige Landsleute wegen der verstärkten Kontrollen Wien verlassen hätten.

Sicherheit

"Im Stationsbereich geht es uns um die Sicherheit. Wenn Bettler bei Stiegenabgängen oder Rolltreppen sitzen, können sie zur Stolperfalle werden", erklärt Daniel Amann von den Wiener Linien. "Zum anderen fühlen sich die Fahrgäste gestört, wenn in den Zügen selbst gebettelt und musiziert wird." Man kontrolliere nur die Einhaltung der Hausordnung. Den Fahrgästen rät er: Es mache mehr Sinn, das Geld jenen Organisationen zu spenden, die arme Menschen unterstützen.

Die Grüne Sozialsprecherin Birgit Hebein jedenfalls zeigt sich empört: Bei einem Gespräch mit den Wiener Linien vor vier Wochen habe man ihr noch mitgeteilt, das Hausrecht tolerant auslegen zu wollen, solange es keine Behinderungen gibt. Es habe Überlegungen gegeben, mehr Dolmetscher und Sozialarbeiter einzusetzen. Was nun geschieht, sei genau das Gegenteil.

Mehr Anzeigen

Die Anzeigen gegen Bettler nehmen jedenfalls jährlich zu. Im heurigen Jahr waren es bis Ende März 571 (Jänner 137, Februar 186, März 248, Anm.). Angezeigt wurde vor allem wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Bettelns (269-mal) sowie des aufdringlichen Bettelns (260-mal). Im Vergleich dazu waren es im entsprechenden Zeitraum im Vorjahr insgesamt 430 Anzeigen. Von Seiten der Stadt Wien lehnte man eine Stellungnahme über die Aktion ab.