Chronik | Wien
31.07.2017

AKH Wien: Krebskranke mussten zu Masernimpfung

Ambulanz für Onkologie teilt sich Leitstelle mit jener für Infektionen. Dort kam es zum Patientenkontakt.

"Wie kann man potenziell infektiöse Patienten und Onkologie-Patienten, die kaum über Infektionsabwehrzellen verfügen, gemeinsam in derselben Ambulanz-Leitstelle zusammenführen und administrieren?" Diese Frage stellt sich derzeit ein nö. Mediziner. Einem seiner Patienten musste nach einem Besuch im AKH Wien, wo er eine Chemotherapie erhält, eine Masern-Immunisierung verabreicht werden.

Das Problem: In der Uniklinik für Innere Medizin am AKH befindet sich neben der Abteilung für Onkologie auch jene für Infektionen und Tropenmedizin. Diese teilen sich eine Leitstelle in der Ambulanz, die beiden Schalter zur Anmeldung liegen direkt nebeneinander. Dort sollen, wie jetzt bekannt wurde, zu Pfingsten Krebs-Patienten auf einen Masern-Erkrankten getroffen sein. Besagter nö. Patient erhielt daraufhin einen Anruf des Gesundheitsamtes: Er solle sich rasch im Spital melden.

Im AKH bestätigt man den Vorfall. Der Masern-Kranke habe schon einige Tage unter Fieber gelitten und sei zu Hause von seinem Arzt betreut worden. "Nachdem es zu keiner Besserung gekommen war, ist er ohne Zuweisung aus eigenem Antrieb ins AKH Wien gekommen und hat sich am Schalter der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin gemeldet", erklärt die ärztliche Direktorin Gabriela Kornek. Nachdem der Mann stationär aufgenommen wurde, sei die Diagnose Masern gestellt worden. "Wir haben – obwohl nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung bestanden hat – zur Vorbeugung allen Patienten, die zu dieser Zeit in der Ambulanz waren, eine Infusion mit Immunglobulinen verabreicht." Gefährdet oder gar zu Schaden gekommen, sei aber niemand, betont Kornek. "Es ist in keinem Spital verhinderbar, dass Patienten von sich aus eine Ambulanz aufsuchen."

Das meint auch Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer Wien, der selbst einmal in der Abteilung beschäftigt war. "Das ist dort seit 30 Jahren so", erklärt er. Probleme hätte es nie gegeben. Die Abteilungen würden fachlich zusammen passen, immerhin leiden Menschen mit schwachem Immunsystem öfter unter Infektionen. Die Wartebereiche seien aber getrennt. Generell sei man im Spital nie vor Ansteckungen gefeit.

Von Seiten des AKH wird nun jedenfalls geprüft, ob eine Verlegung des Anmeldeschalters der Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin möglich und sinnvoll ist. Wenngleich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung generell als sehr gering angesehen wird, wie betont wird.