Chronik | Wien
22.08.2017

Hauptbahnhof Wien: Kaufleute trotz Änderungen frustriert

Die ÖBB haben mit Pflanzen, Bänken und Beleuchtung auf die Kritik der Unternehmer reagiert.

Leere Geschäftslokale. Frustrierte Unternehmer. Und immer mehr Lokalschließungen. Bereits vor einem halben Jahr hat der KURIER die Missstände im Einkaufszentrum des Hauptbahnhofs thematisiert.

Nun haben die ÖBB reagiert. Seit Kurzem stehen im ersten Untergeschoß zwei sechs Meter hohe Bäume (Ficus Allii), deren Kronen bis ins Erdgeschoß reichen und deren Stämme von hölzernen Sitzgelegenheiten umrundet sind. "Die Bäume sollen für noch mehr Wohlbefinden der Reisenden und Geschäftskunden sorgen", meinte ÖBB-Pressesprecher Roman Hahslinger unlängst gegenüber der APA. Auch eine neue Beleuchtung sei installiert worden.

Beim KURIER-Lokalaugenschein Montagmittag zeigen sich viele Unternehmer von den Neuerungen wenig beeindruckt. "Es hat sich in den vergangenen Monaten nichts geändert. Und diese Maßnahmen werden wohl auch nichts bewirken", gibt sich die Geschäftsführerin des Blumenladens " Flower Square" resigniert.

Die neuen Lampen leuchten aktuell gar nicht – weil ihr Licht zu grell war. "Peinlich" nennt Unternehmer Mario Brumat vom Lokal "La Punta" die Aktion.

Gerichtsverfahren

Am 6. September findet für Brumat die nächste Anhörung in der Causa Hauptbahnhof beim Bezirksgericht statt. Gegen ihn läuft eine Räumungsklage, weil er die Zahlungen eingestellt hat.

Gibt es diesmal keine Einigung, will Brumat auf Schadenersatz klagen. 500.000 Euro Verlust habe er bestimmt schon gemacht.

Fehlende Frequenz, kein Ambiente, kaum Sitzplätze, keine Werbung. Das waren die Hauptgründe, weshalb er sich geweigert hat, dem Einkaufscenter weiter Geld zu überweisen. 120.000 Besucher täglich seien ihm versprochen worden. Deshalb seien auch Sitzplätze vor dem Lokal untersagt, weil sie die Menschen behindern würden. "Aber sehen Sie sich doch um, alles leer", sagt Brumat und zeigt in die großteils leeren Geschäftslokale.

Mario Brumat ist auch nicht der einzige Pächter, der mit den ÖBB bzw. dem Bahnhofs-Management im Clinch liegt. Insgesamt sechs Gerichtsverfahren sind derzeit anhängig.

Die ÖBB sprechen weiter von mehr als 100.000 Besuchern täglich. Auch das Argument mit der nicht vorhandenen Werbung wollen sie nicht gelten lassen. Der Pressesprecher verweist auf Marketingaktionen, wie die Surf Days oder Gutschein-Verteilaktion.

Beliebtester Bahnhof

Doch nicht alle Unternehmer haben mit dem Standort Probleme. Beim Leberkas-Pepi, der erst im April eingezogen ist, ist man mit dem Geschäft "eigentlich ganz zufrieden".

In Kürze sollen die Speisen auf Englisch angeschrieben werden. Dann erhofft sich Mario Scheday mehr Besuch von Touristen.

Bei der Drogeriekette Müller kann man ebenfalls nicht klagen . Einzig eine Apotheke sei notwendig. Derzeit müsse man viele Kunden dafür um zehn Ecken schicken.

Zumindest der Bahnhof scheint bei den Fahrgästen übrigens gut anzukommen. Laut VCÖ ist er der beliebteste Österreichs.