Chronik | Wien
13.06.2017

Achtjähriger verklagt Spielplatz-Betreiber nach Sturz vom Kletterturm

Prozess: Bub hatte Monate lang Schmerzen, Mutter vermisst Aufsicht in der Abenteuerwelt im Stadion-Center.

"Die Tränen kann keiner zahlen", sagt die Mutter. Aber sie will, dass der Spielplatz-Betreiber zur Verantwortung gezogen wird. Und dass anderen Kindern nicht auch so etwas passiert.

Am 27. Februar 2016 ging die Oma mit ihren Enkeln Marcel und Valentina ins Stadion-Center in Wien-Leopoldstadt. Sie lieferte den Achtjährigen und die Sechsjährige am Indoor-Spielplatz ab und ging einkaufen. Es gibt Betreuer, die sich um die Kinder kümmern, bis man sie wieder abholt. Das kostete damals zwei Euro pro Stunde (inzwischen 2,50 Euro). Es gibt dort eine "abenteuerliche Kletterwelt" – und genau diese wurde Marcel zum Verhängnis. Der Achtjährige kraxelte ganz hinauf, rutschte auf der obersten Ebene aus und machte – wie er dem KURIER schildert – "einen Purzelbaum hinunter." Der Bub stürzte nach vorne und prallte unten auf seinem linken Arm auf. "Als ich gelandet bin, bin ich erschrocken", sagt Marcel: "Ich konnte allein nicht mehr auf." Er rief seine jüngere Schwester zu Hilfe, die machte sich auf die Suche nach den Betreuern. "Die kamen von irgendwo daher", erinnert sich der Bub.

Operationen

Im Donauspital wurde ein zweifacher Bruch des Handgelenks operiert. Marcel bekam zwei lange Nägel zur Stabilisierung eingesetzt, diese mussten wieder heraus operiert werden. "Es hat drei Monate weh getan", sagt der Bub, der laut Mutter eine Phobie entwickelt hat und sich nirgendwo mehr hinauf traut: "Er ist ein Einser-Kind, er hatte auch im Turnen immer Einser, jetzt kriegt er einen Zweier, weil er Höhenangst hat. Die ersten sechs Monate stand er überhaupt nur daneben und hat zugeschaut", klagt Danja Vasic.

Mit Hilfe des Anwalts Alain Danner hat Marcel bzw. seine Mutter den Spielplatzbetreiber WIKI auf 5000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld geklagt. Man macht die Verletzung der vertraglichen Aufsichtspflichten und mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen geltend. Die Matte am Fußboden unter dem Klettergerüst sei zu dünn, um solche Stürze abzufedern. "Der Teufel schläft nicht. Was ist, wenn ein Kind auf den Kopf fällt?", sagt die Mutter. Jetzt beginnt im Bezirksgericht Leopoldstadt der Prozess. Harald Kühschweiger von WIKI erklärt auf Anfrage, man habe "alle den "Standardnormen entsprechenden Vorkehrungen getroffen". Die Spielgeräte und Matten seien TÜF-geprüft, und man sei auch bei der Betreuung "sehr sorgsam".