Das legendäre Hörbiger-Haus in der Himmelstraße in Wien-Grinzing.

© KURIER/Franz Gruber

Die Hörbiger Villa
02/08/2015

"Abschied ohne Wehmut"

Ein Stück Wien wechselt den Besitzer. Was aus dem Haus wird, in dem einst Paula Wessely wohnte.

von Georg Markus

Viele Gerüchte schwirren durch die Stadt. Maresa Hörbiger hat die legendäre Familienvilla in der Himmelstraße in Wien-Grinzing verkauft. Nein, das Haus ist noch zu haben, hört man anderswo. Es wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Eine weitere Fama besagt, dass auf dem großen Grund mit Blick in die Weinberge Eigentumswohnungen entstehen. Oder stimmt die Meldung, wonach das alte Winzerhaus durch eine Botschaft ersetzt wird? Russen, Chinesen, Taiwanesen sollen die neuen Besitzer sein und 30, 40 oder gar 50 Millionen Euro bezahlt haben. Was aber ist die Wahrheit? Maresa Hörbiger verrät sie dem KURIER.

"Ja", sagt die jüngste Tochter des Ehepaares Attila HörbigerPaula Wessely, die nach wie vor in dem Haus wohnt. "Ja, ich habe es verkauft." Wer der Käufer ist, steht bereits im Grundbuch. Es ist eine Firma "Deanmont Limited" in Nikosia/Zypern. Der Kaufvertrag für das Haus und den 5000 großen Garten wurde am 28. November 2014 bei einem Wiener Notar unterschrieben. Maresa Hörbiger wird bis Ende Juni 2015 ausziehen. Auch den Kaufpreis findet man im Grundbuch: Zehn Millionen Euro. Wer die Eigentümer der "Deanmont Limited" sind, wurde nicht bekannt gegeben.

Welche der Gerüchte um die Zukunft des Hauses stimmen? Abbruch und Neubau? Totalumbau zu einer Botschaft? Umwidmung zu einer Wohnsiedlung?

Villa in Schutzzone

"Nichts von alldem ist richtig", erklärt Maresa Hörbiger. "Das Haus bleibt ein Einfamilienhaus. Erstens möchte es der Käufer so und zweitens wäre ein größerer Umbau gar nicht möglich, da die Villa in einer Schutzzone steht. Sie kann weder abgerissen noch an der Außenfront verändert werden. Es war mir wichtig, einen Käufer zu finden, der das respektiert und das Haus unverändert belassen will."

Und warum hat es Maresa Hörbiger verkauft?

"Sicher nicht, weil ich es verkaufen musste, wie manche Leute meinen. Ich habe es aus freiem Willen verkauft." Der Hintergrund ist ein familiärer: "Ich habe hier viele Jahre mit meinen Eltern und Schwestern und nach dem Tod meiner Mutter mit meinem Sohn Manuel gewohnt. Er hat mittlerweile eine Familie gegründet und jetzt zwei Kinder. Und ich habe hier das Theater zum Himmel und den Hörbiger Kultursalon aufgebaut, die beide sehr erfolgreich sind. Das Haus ist zwar groß, aber nicht groß genug für zwei Wohneinheiten, ein Theater und einen Kultursalon. Nun wird mein Sohn mit seiner Familie eine eigene Wohnung beziehen und ich habe mir, gleich ums Eck in der Cobenzlgasse, ein kleineres Winzerhaus gekauft."

Wieder ein Theater

Fällt es Maresa Hörbiger schwer, das Haus zu verlassen, in dem sie 48 Jahre lebte?

"Es ist ein Abschied ohne Wehmut", sagt sie. "Viele Leute sind traurig, dass die Familie Hörbiger die Hörbiger-Villa verlässt. Ich bin es nicht, da ich den Wunsch nach eigenständigem Leben verspüre. Ich werde ein neues Theater gründen, bin schon in Verhandlungen, aber ich habe mich noch nicht für ein bestimmtes Objekt entschieden. Der Start erfolgt, wie es aussieht, noch heuer im Sommer. Nur so viel steht fest: Diesmal wird das Theater nicht an meinem Wohnort sein – auch weil ich die Möglichkeit brauche, mich zurückziehen zu können."

Der Wunsch der Eltern

Was würden Maresa Hörbigers Eltern sagen, dass die Villa, die ihre Mutter vor 80 Jahren gekauft hat, jetzt in fremde Hände gerät?

"Meine Mutter hat das große Haus eher als Belastung empfunden und sich Sorgen gemacht, was einmal damit geschehen wird. Sie hätte sich sehr gefreut, dass ich es durch das Theater öffentlich zugänglich gemacht habe. Aber sie hätte auch verstanden, dass ich es jetzt verkaufe. Bei meinem Vater bin ich mir da nicht so sicher, der ist sehr an dem Haus gehangen und hat immer gesagt, dass er einmal von hier ,hinausgetragen werden will’. Wir konnten ihm diesen Wunsch erfüllen, er ist in diesem Haus, das er so geliebt hat, gestorben."

Kein Erbschaftsstreit

Was sagen Maresa Hörbigers Schwestern Christiane Hörbiger und Elisabeth Orth zum Verkauf des Hauses?

"Sie haben volles Verständnis dafür. Gott sei Dank gab es bei uns nie Erbschaftsstreitigkeiten, und auch jetzt ist alles problemlos abgelaufen. Wir drei Schwestern haben uns vorgenommen, uns im Juni etwas Zeit zu nehmen, um unser Elternhaus noch einmal für uns allein zu haben und uns gemeinsam von ihm zu verabschieden."

Hörbiger wohnte ebenerdig, die Wessely im ersten Stock

Die große Schauspielerin hat die Villa in der Himmelstraße 24 in Wien-Grinzing 1935 von den Gagen ihrer ersten Filme gekauft und hier mit ihrem Mann Attila Hörbiger und ihren Töchtern Elisabeth Orth (*1936), Christiane (*1938) und Maresa Hörbiger (*1945) gelebt.

Die 480 große Villa, deren Vorbesitzer die Industriellenfamilien Schoeller und Krupp waren, besteht aus einem ebenerdigen Winzerhaus aus der Biedermeierzeit und einem dreistöckigen Zubau aus der Jahrhundertwende.

Attila Hörbiger wohnte im Parterre, die Wessely im ersten Stock, Kinder und Personal bezogen das Dachgeschoß. Im Lauf der Zeit wurde die „Hörbiger-Villa“ zu einer von Wienern und Touristen viel bestaunten Attraktion.

Attila Hörbiger (1896–1987) und Paula Wessely (1907–2000) lebten hier bis zu ihrem Tod. Maresa Hörbiger, die ihre Mutter bis zuletzt betreut hatte, erbte das Haus, in dem sie mit Sohn Manuel und seiner Familie wohnt.

Kultursalon2003 gründete Maresa Hörbiger in der Villa den Kultursalon Hörbiger und 2007 das Theater zum Himmel, in dem Stars wie Maximilian Schell, Karlheinz Hackl, Michael Heltau, Marianne Mendt, Otto Schenk, Erika Pluhar und alle Mitglieder der Familie Hörbiger auftraten. Nach dem Verkauf der Villa gründet Maresa Hörbiger ein neues Theater.

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